eastwood

„Wir haben unseren Sinn für Humor verloren“

Eineinhalb Stunden standen etwa 700 Fans für die 200 freien Plätze bei der „Leçon du cinéma“ (Kinolehrstunde) mit Clint Eastwood an. Das ist öffentliches Gespräch, in dem ein Kritiker dem Star Fragen stellt und er aus seinem Leben erzählt. Eastwood (86) hat zurzeit keinen neuen Film, aber in der Retrospektive läuft sein frisch restaurierter Western „Erbarmungslos“ (1992) und im Wettbewerb ein Remake eines Film, in dem er mitspielte,  das Bürgerkriegsdramas „Betrogen“ (1971 von Don Siegel). Der Mythos Eastwood lebt in Cannes mehr als anderswo in Europa, denn er war 1994 (in meinen ersten Cannes-Jahr) Jurypräsident und sorgte dafür, dass „Pulp Fiction“ die Goldene Palme bekam, was die Karriere von Quentin Tarantino startete.

Eastwood also. Er sieht immer noch gut aus, ist fit, spricht deutlich antwortet sehr freundlich auf alle Fragen, die man ihm stellt, gibt Autogramme, posiert für Selfies – der vierfache Oscar-Gewinn ist frei von Star-Allüren und plaudert munter. Und was sagte er?

Über Film:
Film ist eine emotionale Kunstform, keine intellektuelle. Sie zu intellektualisieren oder zu pseudo-intellektualisieren, steckt dich schnell in eine Schublade.

Über politische Korrektheit:
„Dirty Harry“ war ein Traum, große Gewehre, der Traum eines jeden Kindes. Der Film wurde als politisch inkorrekt angesehen – das war der Beginn der bis heute andauernden Ära von politischer Korrektheit. Aber wir töten uns selbst, in dem wir politisch korrekt sind, wir haben unseren Sinn für Humor verloren.

Über seinen Mentor Don Siegel („Dirty Harry“):
Die ersten drei Filme mit großen Rollen jenseits des Fernsehens drehte ich mit Don Siegel. Don Siegel arbeitete sehr effektiv, schneller als jeder andere, weil er schneller dachte. Er hasste Produzenten. Ich habe viel von ihm gelernt.

Über Western:
Ich wuchs in den 30er und 40er Jahren auf, als Western in waren, als Kind mochte ich Western, ich wollte unbedingt auf einem Pferd reiten. Gary Cooper, John Wayne, James Stewart und Co. mochte ich ich besonders. Western sind populär, weil sie dir eine Flucht aus dem Alltag ermöglichen.

Über die Wirtschaftskrise:
Ich bin zur Zeit der Depression aufgewachsen, aber wenn man vier, fünf Jahren alt ist, kriegt man schon mit, wenn Leute verhungern. Aber wenn man älter wird, lernt man seine Eltern zu schätzen, die dafür sorgen, dass du immer etwas zu essen hast. Wir sind alle sechs Monate in eine andere Stadt gezogen, wenn mein Vater eine neue Stelle bekam. Das sorgte dafür, dass ich lernte, zu überlegen, was man wofür ausgibt.

Über die Anfänge als Schauspieler:
In der Junior High School spielte ich in einem Theaterstück die Hauptrolle, ein Kind, das zurückgeblieben war. Ich spielte so schlecht, dass es lustig war. Das war mein Anfang als Schauspieler. Ich wollte nie wieder spielen, aber im College ging ich in die Schauspielklasse weil ein Freund auch da war und weil die schönsten Mädchen drin saßen. Ende der 50er Jahre machte ich Testaufnahmen fürs Fernsehen für die CBS-Show, bekam den Job und konnte von der Schauspielerei leben. Dann sagte mein Agent, es gibt das Angebot, in Italien einen Western zu drehen, das Remake eines japanischen Films, ich sagte nein. Dann las ich das Drehbuch, sagte, das ist Mist. Es war ein Remake von Akira Kurosawas „Jojimbo“, und ich war eine großer Fans des Films. Ich dachte, ich war noch nie in Italien, und machte es, Es war ein kleiner Film, für 200.000 Dollar. Ich machte den Film und es wurde ein Hit.

Über seine erste Regiearbeit „Play Misty for Me“ (1971):
Als mir das Studio den Film angeboten hatte, sagte ich zu. Ohne Gage, das Studio wollte mich nicht bezahlen, und ich fand das okay, man hätte es bezahlen sollen, dass es mich Regie führen ließ.

Andrea Dittgen

 

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