Überraschung mit Helene

41 deutsche (Co-)Produktionen sind beim Festival von Toronto  (TIFF) zu sehen, mehr als bei irgendeinem anderen internationalen Festival. Und spätestens am ersten Festivalsonntag treffen sich viele der Beteiligten beim deutschen Empfang, den German Films, die Organisation, die deutschen Filmen im Ausland hilft (auch finanziell) in einer Kneipe mit dem schönen Namen „Peter Pan“ ausrichtet. Oder davor.

Regisseur Robert Schwenkte stand rauchend davor mit seinem Schweizer Hauptdarsteller Max Hubacher (ihr Film „Der Hauptmann“, der im zweiten Weltkrieg spielt, hatte in Toronto Premiere) und der deutschen Autorin und Regisseurin Helene Hegemann „Axolotl Overkill“). Hegemann hat gar keinen Film in Toronto. Sie war mit ihrem Spielfilmdebüt ja schon im Januar beim US-Festival in Sundance. Aber sie war sogar die letzten zwei Monate in Toronto, weil sie ein Stipendium des Festivals bekommen hatte. Sie war der erste German Resident des Festivals, oder besser eine Austauschstudentin des TIFF Residency Exchange Programme in Zusammenarbeit mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg. Vorher kam der Kanadier Andrew Cividino (Sleeping Giant“) nach Berlin. Nun war die Berlinerin Helene Hegemann in Toronto. „Es ist keine Bedingung, dass man hinterher ein Script abgibt, aber ich habe viel geschrieben“, sagt sie. Die Stadt gefällt ihr, aber so viel sei sie dort gar nicht unterwegs gewesen, verrät sie.

Die "Hauptmann"-Crew mit (von links) Rgeisseur Robert Schwentke und den Schauspielerin Max Hubacher, Alexander Fehling und Frederick Lau beim deutschen Empfang. Foto: Dittgen

Die „Hauptmann“-Crew mit (von links) Rgeisseur Robert Schwentke und den Schauspielerin Max Hubacher, Alexander Fehling und Frederick Lau beim deutschen Empfang. Foto: Dittgen

Auch Schwentke hat noch nicht so viel gesehen, sein Film hatte am Tag vorher hier seine Uraufführung. Und nach Toronto wird er noch beim Festival von San Sebastian laufen, als Europa-Premiere, sagt der gutgelaunte Regisseur. Er zeigt seinen Film gerne in Toronto, weil die Leute hier vorurteilsfrei an einen deutschen Film und ein deutsches Thema wie den Zweiten Weltkrieg rangehen, erklärt er. Warum er, der seit über zehn Jahren nur in Amerika drehte, nun wieder ein Deutschland einen Film gemacht hat, frage ich den Mann aus Stuttgart mit dem Vollbart: „Man muss da drehen, wo das Geld ist“, meint er lapidar. In diesem Fall also nicht in Amerika, sondern in Deutschland, Polen, Portugal Frankreich (sein Film ist eine Co-Produktion). Die stellenweise schockierende Geschichte von einem Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg die Uniform einen Hauptmann anzieht und fortan zum strengen Offizier wird, der vor Erschießungen nicht zurückschreckt, wird erst 2018 in Deutschland ins Kino kommen, meint Schwentke.

Die Autorin und Regisseurin Helene Hegemann erzählt von ihrem TIFF-Stipendium. Foto: Dittgen

Die Autorin und Regisseurin Helene Hegemann (rechts) erzählt von ihrem TIFF-Stipendium. Foto: Dittgen

Schwentkes Hauptdarsteller Max Hubacher, der in Wirklichkeit noch jünger aussieht als im Film  – er ist 23, verrät er der nicht viel älteren Helene Hegemann (sie ist 25) – findet es schade, dass er am Abend wieder nach Deutschland zurück muss. Aber er ist ja eigentlich noch Schauspielschüler  (an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater) und dort ist man nicht sehr erbaut, wenn die Studenten lange wegbleiben. Aber vorher noch werden Hubacher und die anderen aus der „Hauptmann“-Crew von German-Films-Chefin Mariette Rissenbeek – nun wieder im Innern der Kneipe – offiziell vorgestellt. Alexander Fehling ist dabei – und Frederick Lau, der doppele Lola-Preisträger (zuletzt für „Victoria“), der nicht nur im „Hauptmann“ zu sehen ist, sondern auch in dem Luxemburger Film „Gutland“. Die Regisseure Valeska Grisebach („Western) und  Barbara Albert („Licht“) und der junge deutsch-türkische Filmemacher Hüseyin Tabak („The Legend oft he Ugly King“, eine Doku über den Regisseur Yilmaz Güney) werden auch noch vorgestellt, um nur einige zu nennen. Der Empfang ist locker, man redet in der Kneipe, auf der Terrasse und eben auch vor der Tür weiter – bis zum nächsten Film. Das Schöne: Hier, so fern der Heimat, kommt man sich viel schneller und ungezwungener näher.

Dieser Beitrag wurde am von in Toronto 2017 veröffentlicht. Schlagworte: .
Andrea Dittgen

Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

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