Trump und Hitler

Michael Moore, der Oscar gekrönte Dokumentarfilmer, erklärt in seinem neuen Film „Fahrenheit 11/9“ endlich den wahren Grund, warum Donald Trump Präsident werden wollte: Als er noch seine Show beim Fernsehsender NBC hatte, fand er heraus, dass Gwen Stefani für ihre dortige Serie mehr Geld bekam als er. Er begann zu verhandeln – nun, wie es ausgeht, weiß man. Weil er viele Unterstützungsaktionen hatte, als er rausflog, beschloss er, seine Popularität zu nutzen. So einfach ist das. Natürlich hat Moore hier sofort die Lacher auf seiner Seite – und auch noch als er ein altes Foto von sich mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zeigt, der 2007 Moores Party zur Premiere seines Films „Sicko“ (2007) über die Malaisen das US-Gesundheitssystem sponserte, weil er das Thema gut fand. Das ist Geschichte. Dass Michael Moore richtig vorhersagte dass Trump gewinnen würde, während so ziemlich alle anderen im Vorfeld meinten, dass könne nicht sein – kommt in „Fahrenheit 11/9“ (auch ein Zitat, „Fahrenheit 9/11“ hießt Moores Film über den Terror von 2004) natürlich auch vor. Aber es geht nicht nur um Trump.

Michael Moore und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner 2007. Foto: Courtesy of TIFF

Michael Moore und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner der den Filmemacher 2007 unterstützte. Foto: Courtesy of TIFF

Zwischendurch schweift Moore ab und erzählt, wie in seiner Heimatstadt Flint, Michigan, der korrupter Gouverneur und Parteifreund Trumps, Michael Snyder, dafür sorgte, dass das Trinkwasser nicht mehr aus dem sauberen nahen Vulkansee, sondern aus dem schmutzigen Flint gewonnen wurde, solange wie die zweite Wasserpipeline zum See gebaut wird, an der der Senator und seine Freunde kräftig verdienen. 10.000 Kinder wurden dadurch lebenslang geschädigt. Moore habe von Synder gelernt, wie man mit beharrlichem Leugnen und Vetternwirtschaft Politik macht, behauptet Moore.

Michael Moore kippt dem Gourveneur von Flint, das dreckige Trinkwasser in seinen gGarten. Foto: Courtesy of TIFF

Michael Moore kippt dem Gouverneur von Flint das dreckige Trinkwasser in seinen Garten. Foto: Courtesy of TIFF

Das ist das eine, Moore erzählt auch vom Streit der Lehrer in West Virginia für höhere Löhne, der landesweit Schlagzeilen machte und den Lehrern und anderem Schulpersonal die ersehnte Erhöhung. Was insofern mit Trump zu tun hat, als es auch in seine Regierungszeit fällt.

Doch dann kommt, was wohl kommen muss: Moore vergleicht Trumpf mit Hitler. Er nimmt Archivmaterial von Hitler, synchronisiert eine seiner Reden neu mit Trump-Worten und meint, dass damals in Deutschland auch niemand vorausgehen hätte, dass Hitler gewinnt. Und dass beide eint, dass sie zum Zeitpunkt der Kandidatur von Politik keine Ahnung gehabt hätten, sehr wohl aber von massenwirksamen Aktionen. Was so natürlich nicht stimmt, aber für Lacher gut ist. Auch der letzte lebende Ankläger der Nürnberg-Prozesse, der 98-jährige Ben Ferencz (über den es später bei dem Festival noch eine eigene Doku gibt), kommt zu dem Thema noch zu Wort.

Außerdem sieht man, dass Trump seine Tochter Ivanka von klein auf immer wieder in der Öffentlichkeit küsste – und dass ein halbes Dutzend seiner Berater wegen sexueller Belästigungen aktenkundig ist. Was alles nichts daran ändert, dass Trump immer noch Präsident ist und für weitere vier Jahre antreten will. „Es geht den Amerikanerin nicht um die Wahrheit, es geht darum, dass die Menschen Trump für glaubwürdig halten“, sagt eine Geschichtsprofessorin zu Trumps Zukunft.

Kurzum: Bis auf Gwen Stefani und die Wasservergiftung bringt der Zweistundenfilm keine neuen Erkenntnisse. Er wirkt wirr, nicht stringent, aber – wie immer – wie eine unterhaltsame Collage. Der Film hat schon einen deutschen Verleih, aber noch keinen Starttermin.

Andrea Dittgen

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Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

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