Thelma & Louise & Co.

Noch eine Doku über Frauen im Filmgeschäft und wie schwer sie es haben! Muss das sein? Ja. Eigentlich kann man nicht oft genug darauf hinweisen. Und bezeichnenderweise ist auch „This Changes Everything“ (Das verändert alles) von einem Mann, Tom Donahue, der lange vor der Metoo-Debatte mit seinen Aufnahmen für den Film begann.

Das Neue, was er herausfand: Zur Stummfilmzeit gab es mindestens so viele Frauen im Filmgeschäft vor und hinter der Kamera wie Männer. Erst der Tonfilm sorgte für die Männerdominanz, die es heute noch gibt, so Donahue. Er bezieht sich nur auf Hollywood und hat fast nur Frauen interviewt, vor allem prominiente Schauspielerinnen wie Jessica Chastain, Reese Witherspoon, Cate Blanchett, Rachel Portman und Meryl Streep, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen, Regisseurinnen. Gut zwei Dutzend bekannte Frauen ergreifen Partei.

Die nennen gerne einen Schlüsselfilm: „Thelma & Louise“ (1991), geschrieben von einer Frau, Callie Khouri, inszeniert von einem Mann (Ridley Scott). Der Film habe gezeigt, dass es andere Frauenrollen als die Sexbombe, die Mutter, die Geliebte und die Hausfrau gibt, so Khouri. Eine der beiden Hauptdarstellerinnen in dem Film war Gena Davis, die neben ihrer Schauspielkarriere (sie bekam 1989 einen Oscar), 2004 das Geena Davis Institute on Gender in Media gründete, das dafür kämpft, dass Frauen in den Medien stärker vertreten sind. Davis sammelt Daten und sagt. „Wenn Frauen kontinuierlich nur vorkommen in Nebenrollen, Stereotypen, als Sexobjekt, und wenn sie keine Hauptrollen haben oder schlicht nicht vorkommen, dann ist das eine sehr klare Botschaft: Frauen und Mädchen sind nicht so wichtig wie Männer und Jungs. Das hat eine Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft“. Zum Beispiel diese: 1979 wurden nur 0,5 Prozent aller Filmregie-Jobs in Amerika an Frauen vergeben wurden.

Meryl Streep ist eine der Frauen, die Forderungen stellen. Foto: Courtesy of Tiff

Meryl Streep ist eine der Frauen, die Forderungen stellen. Foto: Courtesy of Tiff

Es ist ein Redefilm, die Aussagen wechseln im Minutentakt. So sagte Resse Witherspoon: „Unser ganzes Leben wird von den Bildern bestimmt, die wir als Kind sehen. Und das sind  vor allem Jungs und Männer.“

Selbst in den Animationen, ist das so, wie Davis herausgefunden hat. Cate Blanchett: „Um das gegenwärtige System zu ändern, muss die Inklusion her. Jeder muss mitmachen. Und es muss sofort passieren.“ Es ist eine der wenigen kämpferischen Aussagen in dem Film. Die meisten Frauen bleiben höflich, sagen ruhig, was sie fordern und schimpfen nicht auf ein Studio oder bestimmte Studiochefs, sondern bleiben allgemein. Und dann gibt es einen Vorzeige-Mann, einen Fernsehchef, der sich die Sache vor ein paar Jahren schon zu Herzen nahm: John Landgraf, der Chef von NX Networks. Er ordnete an, dass mehr Frauen beschäftigt werden sollen. Woraufhin in einem Jahr knapp fünf Prozent mehr Frauen beschäftigt wurden. Was Landgraf entsetzte. Nun dringt er noch stärker drauf, „aber von 50:50 sind wir noch weit entfernt“, meint er ernüchternd.

Andrea Dittgen

Dieser Beitrag wurde unter Toronto 2018 abgelegt am von .
Andrea Dittgen

Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *