Schlagwort-Archiv: Wien 2016

Der unendliche Trintignant

Im Nachspann werden fast 150 Filmtitel genannt. Das ist viel bei einem Film, der 15 Minuten dauert: 10 pro Minute. Im Schnitt wechselt das Bild alle sechs Sekunden. Alle sechs Sekunden sehen wir einen neuen Filmausschnitt mit dem Schauspieler Jean-Louis Trintignant (heute 85) aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Found Footage, gefundenes Material (im Gegensatz zum selber gedrehten). Weiterlesen

Zappa auf dem Klo und in Berlin

Selbstverständlich hing in meiner ersten Studenten-WG das berühmte schwarz-weiße Plakat neben der Toilette: Es zeigte Frank Zappa (1940-1993), auf der Toilette sitzend. Damals, 1980, gehörte das zum WG-Outfit. Aber seine Songs kannte ich da schon, nicht nur „Bobby Brown“, seinen Musikfilm „200 Motels“ von 1971 hatte ich auch gesehen, aber nicht wirklich gemocht, er war mir zu chaotisch. Nun holt einem eine Doku in diese Zeit zurück: „Eat That Question – Frank Zappa in His Own Words“, heißt die Dokumentation des Stuttgarter Regisseurs Thorsten Schütte. Weiterlesen

Handke mag kein Erwartungsbrummen

Filme mit langen Titeln haben es schwer: „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“ (Kinostart: 10. November) ist so einer. Immerhin hört er sich witzig an. Das ist schon mal ganz gut für einen Schriftsteller, der als schwierig bekannt ist. Der Österreicher ist jetzt 73, sieht aber älter aus. Er lebt seit 25 Jahren in seinem Haus in Chaville bei Paris und ließ die 62-jährige einfühlsame Dokumentarfilmerin Corinna Belz („Gerhard Richter: Painting“) an sich herankommen. Weiterlesen

Thome, der junge und der alte

Es war eine schöne Idee, dem Dokumentarfilm „Rudolf Thome – Überall Blumen“ einen frühen Kurzfilm des Regisseurs voranzustellen. „Stella“ (1968, 15 Minuten) erzählt von einem jungen Ehepaar. Er hat eine Affäre. Sie  ist wenig erbaut davon. Doch als er vorschlägt, seine neue Freundin in ihre Ehe reinzubringen, handelt sie sofort: Sie ruft diese Stella  an, um sich mit ihr zu treffen. Das ist ihm nicht recht, wie man schnell merkt. Hat ein bisschen mit Goethes „Stella“ zu tun, vor allem ist es so herrlich lässig und lakonisch inszeniert, wie es einem jungen Filmemacher (Thome war Ende 20, als er „Stella“ drehte) heute wohl gar nicht in den Sinn käme. Weiterlesen

Casey, die zweite Wahl

 

Zurzeit bin ich bei der Viennale, das ist das Filmfestival von Wien, das größte in Österreich. Verglichen mit Deutschland ist es allerdings eher ein kleines: Gespielt wird nur in sechs Sälen. Selbst in Saarbrücken, beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis, sind es zehn Säle, und manche Säle in Wien sind winzig (60 Plätze). Aber es ist ein sehr angenehmes, gemütliches Festival, wo nach dem Film auch eine gute halbe Stunde Zeit ist, um mit den Regisseuren zu diskutieren. Wie mit dem US-Regisseur Kenneth Lonergan (54) vom Eröffnungsfilm „Manchester by the Sea“ (Deutscher Start: 17. Januar) im wunderschönen Metro-Kino, das aus den 20er Jahren stammt und liebevoll restauriert wurde. Weiterlesen