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Eine neue Hitler-Satire!

Er ist nicht echt, sondern nur eine eingebildete Figur eines kleinen Jungen namens Jojo Betzler. Immer wenn der zehnjährige ängstliche Bub, der sehr gerne ein Hitlerjunge ist, nicht mehr weiter weiß, fragt er Adolf Hitler um Rat. Der erscheint  prompt in seinem Kinderzimmer erscheint und spricht mit ihm.

Doch Hitler ist gar nicht der strahlende Held: die Uniform sitzt schief, das Bärtchen irgendwie auch, er ist immer zerstreut, und sehr hart mit dem kleinen Jungen, der Mühe hat, seinen Akzent zu verstehen. Das ist der Clou von “Jojo Rabbit“, der Satire des neuseeländischen Regisseurs Taika Waititi (44, „Thor: Tag der Entscheidung“, 2017), der beim Toronto International Film Festival den Publikumspreis gewann. Es ist nicht irgendein Preis, im Vorjahr gewann ihn „Greenbook“, der ein halbes Jahr später den Oscar für den besten Film gewann. Toronto gilt nicht zu Unrecht als Eröffnung der Oscar-Saison. Und Waihitis Film als später Nachfolger der Filme der britischen Komikertruppe Monty Python.

 Jojo (Roman Griffin Davis) beim Essen mit seinem imaginären Freund (Taika Waititi), und seiner Mutter (Scarlet Johansson). Foto: Kimberley French. © 2018 Twentieth Century Fox Film Corporation

Jojo (Roman Griffin Davis) beim Essen mit seinem imaginären Freund (Taika Waititi), und seiner Mutter (Scarlett Johansson). Foto: Kimberley French © 2018 Twentieth Century Fox Film Corporation

Es ist Krieg, der kleine Hitlerjunge Jojo hat Angst, auch wenn er mit seinem Freund, dem kleinen dicken mutigen Hitlerjungen zusammen ist. Und er weiß nicht so recht, was er tun soll, als er entdeckt, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) ein jüdisches Mädchen im Haus versteckt. Hat Hitler (gespielt vom Regisseur) nicht gesagt, dass man diese Juden böse sind? Aber diese Elsa, ein paar Jahre älter als er, ist nett. Sie teilen die Liebe zu Schmetterlingen – und Jojo Rabbit (er heißt so, weil er es in einer Mutprobe nicht schaffte, ein Kaninchen zu töten) ist nun nicht mehr allein, denn seine Mutter, die Widerständlerin, kommt bald ums Leben.

Natürlich gibt es absolut lächerliche Kabarettfiguren wie den SS-Führer Klenzendorf (Sam Rockwell),  seine Assistentin Fräulein Rahm (Rebel Wilson) und den etwas depperten Gestapo-Chef Deertz (Stephan Merchant). Jojo in seiner Hilflosigkeit und Naivität übersteht alles, auch die letzte Kämpfe der Nazis und den Einmarsch der Amerikaner. Die Geschichte ist ohne große Logik, hat immer wieder humorvolle Wendungen und lebt trotz der Hollywood-Stars fast ganz von  Roman Griffin Davies als Jojo. Die amüsante deutsch-amerikanische Co-Produktion kommt am 23. Januar 2020 ins Kino.

Andrea Dittgen