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„Dark“, die erste deutsche Netflix-Serie

Der Ort Winden aus der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ ist nicht das Winden in der Südpfalz! Leider. Oder Glücklicherweise.  Er hätte die Pfalz sonst in die Schlagzeilen gebracht: als Horrorort mit Kernkraftwerk, dunklen Wäldern und gleich zwei verschwundenen Kindern. „Dark“ hatte am Samstagabend beim Festival von Toronto Premiere. Natürlich nicht die  ganze Serie – die im Winter bei Netflix herauskommt – sondern wie bei Filmfestivals inzwischen üblich, die ersten zwei Folgen, zweimal 45 Minuten. Der Saal war voll, rausgerannt sind nur drei Zuschauer, die Stimmung war gut und hinterher standen der (Schweizer) Regisseur Boran bo Odar („Who Am I“), seine Drehbuchautorin Jantje Friese und Hauptdarsteller Louis Hofmann  den Zuschauern Rede und Antwort.

„Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  ist nur eine Illusion, ein Satz von Albert Einstein,   steht als Motto am Anfang nach den Vorspann mit Fotos aus der Stadt, die sich wein Rohrschachtest auffalten. In der Kleinstadt Winden ist ein Kind verschwunden. Das ist Gesprächsthema im Ort. Selbst bei den Teenagern, die schon mal gerne im Wald raumtreiben. Sie stehen im Mittelpunkt, vor allem Jonas, der nach zwei Monaten Abstinenz (er war in einer Anstalt in Behandlung, weil er immer vom Selbstmord seines Vaters träumt, offiziell beim Schüleraustausch in Frankreich) wieder in die Stadt zurückkommt und genauso wenig Bescheid weiß wie die Zuschauer,  also ein gute Identifikationsfigur ist. Neben den üblichen Eifersüchteleien, dem Kräftemessen der Jungs und den ersten Liebesaffären sind die neugierig und treiben sich im Wald rum. Dabei verschwindet das nächste Kind, denn der kleine Bruder, auf den einer Teenager aufpassen soll, ist plötzlich auch verschwunden. Und der Jammer in der Familie groß. Die Polizistin des Orts ist ratlos, alle anderen auch, bis die Teenager im Wald eine Tür finden, die nur zum KKW führen kann. Doch trotz Durchsuchungsbefehl lassen die Leute vom KKW die Polizei nicht rein – obwohl die Schließung des KKWs bereits beschlossen ist und in den nächsten Jahren erfolgten soll. Und dann ist da noch der Umschlag, den Jonas Vater bei seinem Selbstmord hinterließ – auf dem steht: nicht vor dem 4. November um 22.13 Uhr öffnen. Am Ende der zweiten Folge ist es soweit, der Umschlag wird geöffnet, aber was in dem Brief steht, erfährt man nicht.

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Fotzo: Courtesy of TIFF

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Foto: Courtesy of TIFF

Soweit die ersten zwei Folgen.  Die sind so angelegt, wir bei Serien üblich. Viele Figuren werden eingeführt – es sind über 70, wie Friese verriet – verschiedene Handlungsstränge beginnen und so genau weiß man noch nicht, was Sache. Was man jedoch nach zwei Folgen schon sagen kann: Die Figuren sind schon typisch deutsch, aber die Atmosphäre ist es eher nicht. Trotz sehr deutsch aussehender Schule und Straßen. Da gibt es dunkle Wälder und geheimnisvolle Häuser. Doch gedreht wurde nicht irgendwo auf dem Land, sondern in Berlin, wie der Produzent verriet. Doch höchsten ein, zwei Straßenzüge und eine stattliches Haus sehen aus wie Berlin, der Rest könnte überall spielen. Das Dark (dunkel) aus dem Titel ist wörtlich zu nehmen, viele Szenen spielen im Dunkeln, das Schaurig-Mysteriöse, das sich schon nach zehn Minuten einstellt, wird unterstrichen durch die oft ins Ohr schneidende Musik (von Ben Frost). Die ersten zwei Folgen sind spannend, sie machen Lust auf mehr, denn geschickt wird angedeutet, dass mehr als nur eine der Personen etwas zu verbergen hat.

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

Was beim Publikumsgespräch herauskam: Odar und Freise bekannten sich dazu, Kinder der 80er zu ein und Serien wie „Twin Peaks“ zu mögen. Weshalb eine der drei Ebenen von „Dark“ ins Jahr 1986 zurückgeht, eine weite ins Jahr 1953. Und es soll ein Mix sein aus, aus Thriller, Mystik über Übernatürlichen, verrät Odar. 10 Folgen hat die erste Staffel, die natürlich nicht nur für den deutschen Markt gedreht ist, sondern international vermarktet wird. Netflix war vor zwei Jahren auf Odar zugekommen und wollte eine Serie im Stil von Odars Kinofilm „Who Am I“ (2014, sie hatte auch in Toronot Premiere). Doch Odar wollte sich nicht wiederholen und erinnerte sich an die Geschichte von „Dark“, die schon seit fünf Jahren in der Schublade lag. Gedreht wurde 150 Tage innerhalb von sechs Monaten.

Andrea Dittgen