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„Versuche nicht, jedem zu gefallen!“

In der Independent-Szene ist sie ein Star: die Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, die Schwester von Jake Gyllenhaal. Die 1977 geborene Tochter des Regisseurs Stephen Gyllenhaal und der Produzentin und Autorin Naomi Foner, war schon als Kind öfter am Set, wie sie im Publikumsgespräch beim Filmfestival von Toronto bekannte. „Obwohl ich es heute hasse, Filmsets zu besuchen, an denen ich selbst nicht arbeite.  Da ist nie Zeit. Aber ich beobachte gerne andere Schauspieler beim Dreh.“ Bevor ihr Vater ihr mit 15 die erste kleine Rolle in „Waterland“ gab („praktischerweise war mein Rollenname auch Maggie“), habe sie schon geschauspielert. Und im nächsten Film ihres Vaters „A Dangerous Woman“ (1993) spielt sie zusammen mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Jake.

Maggie Gyllenhaal (links) im Gespräch mit der Journalistin Alicia Malone. Foto: Dittgen

Maggie Gyllenhaal (links) im Gespräch mit der Journalistin Alicia Malone. Foto: Dittgen

Doch als ihre erste richtige Rolle sieht sie „The Photographer“ (2000) an. „Er entstand am College in New York, ein Indie-Film. Indie-Filme waren eigentlich schon immer mein Geschmack.“ Der John-Waters Film „Cecil B. Demented“ habe ihr Spaß gemacht, aber hier wie auch bei „Donny Darko“, wo sie wieder zusammen mit ihrem Bruder spielte, „habe ich noch nicht wirklich etwas von Film verstanden“. Bei „Secretary“ (2000), ihren bislang größten Erfolg, war das schon anders. Da habe sie dem Regisseur vorgeschlagen, dass man sieht, wie ihre Hände und die von James Spader (er spielt den Boss, der die Sekretärin zur Sexualität nötigt) sich in einer Großaufnahmen berühren, um zu zeigen, dass sie durchaus hinter dieser Beziehung steht – und der Vorschlag wurde angenommen.

Zu „Crazy Heart“ (2009), der ihr ihre bislang einzige Oscar-Nominierung einbrachte, meinte sie lachend: „Damals war ich Jeff Bridges verliebt“. „Die Nominierung war eine Überraschung“, aber sie habe von vornherein auch gewusst, dass sie den Oscar (als beste Nebendarstellerin) nicht bekommt, sondern Mo‘Nique in „Precious“. Sie habe oft für Rollen vorgesprochen, erzählte Gyllenhaal, die beklagte, dass „wir in einer Männerwelt leben und es für Frauen nicht einfach ist, sich zu behaupten und weiblich zu sein“. Das Vorsprechen sei hart, „meistens merkt man erst hinterher, was für eine Anstrengung es ist.“ Sie rät jungen Schauspielern, beim Vorsprechen immer daran zu denken, dass man es für sich selbst tut. „Versuche nicht, jedem zu gefallen.“

Unter Frauen habe sie habe Solidarität erfahren. „Julia Roberts war sehr nett zu mir in ,Mona Lisas Lächeln‘, sie hat Tipps gegeben, sie ist eine Frau, die führt.“ Maggie Gyllenhaal spielt fast nur in Indie-Filmen – aber auch in Fernsehserien wie „The Deuce“ (die auch in Deutschland zu sehen ist), ihre Rollen suchte sie manchmal auch danach aus, wer mitspielt. So nahm die Angebot an, in „Frank“ (2014) zu spielen, weil „ich unbedingt mit Michael Fassbender zusammenarbeiten wollte, er ist einer der besten“.

Andrea Dittgen