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Wie Audrey Hepburn Billy Wilder rettete

Das Schöne an Festivals wie „Cinema ritrovato“ (das wiedergefundene Kino) in Bologna ist, dass man Filme sieht, von denen man vorher nicht wusste, dass es sie gibt. Zum Beispiel einen von Volker Schlöndorff: „Billy, How Did You Do It?“ einen Interviewfilm mit Billy Wilder von 1992. Ihn zu zeigen, ist gewagt, weil viele Filmausschnitte aus Hollywoodfilmen drin sind, deren Rechte einzukaufen, sich niemand mehr leisten kann. Wieso er trotzdem in Bologna lief? Es ist ein Mysterium. Schlöndorff machte nie Reklame für seinen Film, denn er ist halb illegal, lief aber am Samstag zur Festivaleröffnung.

Als der „Spiegel“-Autor Billy Wilder damals Billy Wilder in Hollywood traf für sein Buch „Billy Wilder – Eine Nahaufnahme“ kam Schlöndorff dazu, filmte und stellte auch Fragen. 30 Stunden lang. Wilder wollte nicht, dass der Film veröffentlicht wird, sagte Schlöndorff in Bologna. Er publizierte in trotzdem: bei der BBC (später lief er auch im WDR) liefen 183 Minuten in drei Teilen, das war einfach, da Wilder abwechselnd Englisch und Deutsch sprach und viele Anekdoten erzählte. Die schönste: Wie Audrey Hepburn ihn rettete. Statt der üblichen drei bis vier Seiten pro Tag habe er einmal nur eineinhalb Seiten Drehbuch geschrieben, erzählte Wilder. Zu wenig für einen langen Drehtag, doch das habe er im Vorfeld des Dreh von „Sabrina“ nur Audrey Hepburn gesagt. Er habe deshalb auch Szenen, die eigentlich beim ersten Mal schon im Kasten waren, mehrfach drehen lassen, aus anderen Blickwinkeln, um den Drehtag in die Länge zu ziehen, erzählte Wilder. Das habe gereicht bis fünf Uhr. Dann habe Audrey Hepburn gesagt: „Ich habe so schreckliche Kopfschmerzen, ich kann nicht mehr“. Damit war der Dreh für diesen Tag beendet. „Sie hat mich gerettet“, sagte Wilder, der in der wunderschönen Doku von Volker Schlöndorff noch mehr Geheimnisse verrät. Zum Beispiel über Marlene Dietrich und Humphrey Bogart.

 

Die drei Stunden vergehen wie im Flug. Im Kino und auf DVD ist der Film nicht zu haben, aber ein WDR-Mitschnitt ist in Häppchen im Internet, hochgeladen von einem gewissen Franz Kubelik. Den gibt es nicht, aber Shirley MacLaine heißt in Billy Wilders Film „The Apartment“ (der auch in Bologna zeigt wurde), Fran Kubelik. Alles klar?

Andrea Dittgen