Schlagwort-Archiv: Margarethe von Trotta

Jeder hat seinen eigenen Ingmar Bergman

Ingmar Bergman wird 100 am 14. Juli – nein, er starb 2007. Aber er hat viele Regisseure beeinflusst, so auch Margarethe von Trotta (76), die ohne seinen Film „Das siebte Siegel“ nie Regisseurin geworden wäre. Das bekennt sie in ihrem ersten Dokumentarfilm „Ingmar Bergman – Vermächtnis eines Jahrhunderts“, den sie beim Festival in Bologna vorstellte. Sie war da, und wollte nicht viel dazu sagen, verständlich, es ist ein persönlicher Film, eine ehrlicher Film, keine der üblichen Lebens-Doku – und auch keine Lobhudelei. Denn einige der Interviewten sagen Dinge, die nicht gerade schmeichelhaft sind.

„Ich vermisse meine Schauspieler“, sagte Ingmar Bergmann, als er sich für zehn Jahre vom Filmemachen zurückgezogen hatte. Er sagte es, als einer seiner Söhne ihn fragte, was er vermisst. Und sein Sohn sagt es nicht mit Bitterkeit, obwohl es ihn damals wohl geschmerzt hat wenn der Vater sagt, dass er niemanden von seiner Familie vermisst, seine Frau nicht, kein Kinder nicht, nur die Schauspieler. Es gehört zu den erschütternden Momenten eines Films, der wie ein Fan-Film beginnt.

Trotta erzählt voller Begeisterung, wie sie in den 60er Jahren in Paris „Das siebte Sigel“ sah, analysiert auch die Anfangssequenz und macht sich dann auf die Suche. Sie ist anfangs permanent im Bild. Zuerst denkt man: Muss das sein, so viel Egoismus – doch dann wird klar: Es muss sein, denn jeder hat seine persönliche Bergman-Erfahrungen, es geht gar nicht anders. Liv Ulmann erzählt, wie Bergman sie fand, ebenso die deutschen Darstellerinnen Gaby Dohm und Rita Russek, die in seinen deutschen Filmen „Das Schlangenei“ und „Aus dem Leben der Marionetten“ mitspielten. Bermans Landsmann Ruben Östlund („The Square“) erzählt, dass Bergman in Schweden nicht unangefochten war, entweder man studierte in Stockholm, wo alle pro Bergman waren, oder in Göteborg, wo alle für Bo Widerberg waren, die andere Linie im schwedischen Kino, Östlund studierte in Göteborg, lernte Bergman nie kennen, merkte aber irgendwann, dass auch in seinen Filme Bergman-Elemente drin stecken – was auch Margarethe von Trotta sagt.

 

Befremdlich ist, dass Margarethe von Trotta, die Bergmann in den 70er Jahren kennenlernte und auch später noch traf, nichts über diese Begegnungen in dem Film sagt, worüber sie sprachen, bleibt privat. Man erfährt nur, dass sie stolz ist, dass ihr Film „Die bleierne Zeit“ zu den zehn Filmen gehörte, die Bergman in seinem Buch als seine Lieblingsfilme nannte und beschrieb. Und es der einzige Film einer Frau war. „Ich habe mehrere Frauen in mir“, hört man Bergmann sagen (der in manchen Ausschnitten auch Deutsch spricht), der für sein Einfühlungsvermögen in die weibliche Seele bekannt war. Und man erfährt, dass die Kinder in seinem Filmen nicht irgendwelche Kinder waren, sondern im Prinzip immer er selbst, wie er sich rückblickend als Kind sieht.

Und noch ein Statement verblüfft: Er mag als der große Meister gelten, dennoch war er bei jedem Film unsicher und fragte bei Ansehen der tägliche Proben eine engsten Vertrauten, ob das gedreht auch gut war. Das kann man als Perfektionismus deuten, aber auch als Zeichen, dass er nie wirklich mit sich zufrieden war. Deutschlandstart: 12. Juli.

Andrea Dittgen

Nicht ohne die Pfälzer!

Cannes-Tagebuch (7) Nachtrag zum  12. Mai 2018

„Könnt ihr mal ein bisschen ruhig sein da dahinten!“ Energisch schnappte sich Margarethe von Trotta das Mikro und versuchte gegen die große Geräuschkulisse beim Empfang von German Films anzukommen. „Man kommt  hierher, und alle reden, da kann ich auch gleich wieder gehen“, sagte sie, als sie auf der Bühne vorgestellt wurde – und ging auch wirklich gleich wieder. Die deutsche Regisseurin zeigt am Dienstag in der Reihe „Cannes Classics“ ihre Dokumentation „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ als Premiere. Was sonst. In Frankreich wird die 76-Jährige mehr gefeiert als bei uns, deshalb wurde sie eingeladen. Und natürlich weil Ingmar Bergman (1918-2007) vom Festival zu Lebzeiten noch als weltbester Regisseur gefeiert wurde und man nun seinen 100. Geburtstag feiert. Das sagte Mariette Rissenbeek, die Geschäftsführerin von German Films, natürlich nicht. Hätte sich auch nicht so gut gemacht.

Mariette Rissenbeek von German Films (links) stellt Margarethe von Trotta vor. Foto: Dittgen

Mariette Rissenbeek von German Films (links) stellt Margarethe von Trotta vor. Foto: Dittgen

In diesem Jahr, da Deutschland keinen Film im Wettbewerb hat, war auch der Empfang bescheidener. Zumindest die Reden. Staatsministerin Monika Grütters war gar nicht erst gekommen, und Bernd Neumann, der Präsident der Filmförderungsanstalt, wollte wohl nichts sagen. So beschränkte sich Mariette Rissenbeek auf die vier Minuten, in denen sie einen kurzen Überblick gab, was in den letzten zwölf Monaten geschah, als alles in Cannes mit Fatih Akins Film „Aus dem Nichts“  im Wettbewerb startete. Und wohl so mache der eingeladenen Produzenten, Schauspieler, Regisseuren, Filmschaffenden aller Art und Journalisten  dürften gestaunt haben, als Rissenbeek den Titel des weltweit erfolgreichsten deutschen Films nannte: die Koproduktion „A Stork’s Journey“ mit Richard dem Storch, eine Animation, ein Kinderfilm, ein ziemlich guter sogar. Ausschnitte konnte man – zusammen mit denen anderer deutscher Filme – auf der im Garten der Villa Noailles (der Mediathek) aufgebauten Leinwand sehen.

Dicht gedrängt standen die Gäste beim Empfang. Wie immer war die Musik ein bisschen zu laut, um sich unterhalten zu können (warum muss es bei solchen Empfängen eigentlich immer Musik geben, die Leute wollen doch reden?). Und wie immer war die Pfalz voll im Bild: als Weinsponsor, diesmal mit weißer Burgunder, Sauvignon Blanc, Rose und Spätburgunder Spätlese, alle trocken.

Große Plakatwand mit Landschaft und schräg gestellte Flaschen, so präsentierte sich das Weinland Pfalz beim deutschen Empfang. Foto: Dittgen

Große Plakatwand mit Landschaft und schräg gestellte Flaschen, so präsentierte sich das Weinland Pfalz beim deutschen Empfang. Foto: Dittgen

Und wie immer traf ich Isolde Barth, der größte Filmfan unter den Pfälzer Schauspielerinnen. Die gebürtige Maxdorferin, die  schon mit Rainer Werner Fassbinder arbeitete, sieht immer elegant aus. Sie altert nicht, war im Vorjahr in einem Tatort zu sehen und kommt jedes Jahr nach Cannes, um Film zu schauen. Mindestens einen pro Tag, im Wettbewerb hat ihr der Film von Kirill Serebrennikov gut gefallen, aber sie  hat auch anderes auf ihrem Plan, etwa die besten deutschen Kurzfilme, die mit dem Short Tiger ausgezeichneten, die immer sonntags im Beisein der Nachwuchsregisseure im Filmmarkt gezeigt werden.

Die Schauspielerin Isolda Barth ist der größte Pfälzer Filmfan in Cannes - seit Jahren schon. Sie kommt weniger , um sich zu präsentieren, sie sieht sich täglich Filme an. Foto: Dittgen

Die Schauspielerin Isolde Barth ist der größte Pfälzer Filmfan in Cannes  – seit Jahren schon. Sie kommt weniger , um sich zu präsentieren, sie sieht sich täglich Filme an. Foto: Dittgen

In dem Auszug der Gästeliste, den die Presse vorab bekam, stand Isolde Barth seltsamerweise nicht drauf (dabei wird sie im August 70 und ist ein wichtiger Teil der deutschen Filmgeschichte), umso schöner war es, sie so gutgelaunt zu sehen. Auf der Gästeliste, das muss man der Fairness halber sagen, stehen natürlich vor allem die Namen derjenigen, die in diesem Jahr einen Film in Cannes präsentieren wie Wim Wenders und Ulrich Köhler,  und andere Prominente wie die Regisseurin Emily Atef, die vor kurzem den deutschen Filmpreis bekam für „3 Tage in Quiberon“ und ihre Kollegin Asli Özge (zuletzt drehte sie den Thriller „Auf einmal“), die ins Cinéfondation-Atelier des Festivals eingeladen wurde. Trotz des kühlen Wetters war die Stimmung bei dem abendlichen Empfang am Samstag gut, und ein paar mehr Häppchen als im Vorjahr gab es auch.

Andrea Dittgen