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Nicht ohne meine Tochter!

Das große Thema bei den Frauenfilmen im Toronto International Film Festival heißt: Mutter und Tochter. Dabei finden sich erstaunliche Konstellationen: Nach der Astronautin mit der kleinen Tochter in „Proxima“, kam in „My Zoe“ von und mit der Francoamerikanerin Julie Delpy (49) eine Mutter, die hilflos ansehen muss, wie ihre sechsjährige Tochter an einer Gehirnschädigung stirbt. Sie fiel auf den Kopf, als Isabelle, die Mutter, nicht da war, sondern nur das Kindermädchen, das diesen Vorfall verschwieg, weil es dachte, es sei nicht schlimm.

Isabelle (Juli Delpy) liebt ihre Tochter Zoe (Sophia Ally) abgöttisch. Foto: Courtesy of TIFF

Isabelle (Juli Delpy) liebt ihre Tochter Zoe (Sophia Ally) abgöttisch. Foto: Courtesy of TIFF

Isabelle (Julie Delpy, eine Chemikerin, also wie in „Promixa“ eine Wissenschaftlerin) und der von ihr getrennt lebende ausländische Vater James (Richard Armitage, auch das ist wie in „Proxima) sind verzweifelt. In der Klinik in Köln (auch „Proxima“ spielt teilweise da) macht eine Ärztin (Nina Kunzendorf,  in einer kleinen markanten Rolle) ihnen Hoffnung, die Eltern wachen abwechselnd am Bett, wo die im Koma liegende Zoe liegt. Als der Hirntod feststeht, müssen sie sich entscheiden, ob sie Organe zur Transplantation freigeben (was er will, sie nicht und sie streiten so heftig wie in „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergman), vor allem aber entnimmt die Mutter der toten Tochter am Arm zwei Hautplättchen. Die bringt sie nach Moskau zu einem deutschen Arzt (Daniel Brühl, der überraschend hart ist), von dem sie gehört hat, dass er Klonversuche unternommen hat. Zuerst lehnt der Arzt entrüstet ab, dann macht er es doch. Isabelle, schon über 40, bekommt den Klon ihrer Tochter eingepflanzt, aber sie erleidet eine Fehlgeburt. Deshalb wird der zweite geklont Embryo von einer Leihmutter ausgetragen.

Eigentlich hätte der Film große Entrüstung auslösen müssen, denn das Klonen von Menschen im realistischen täglichen Leben ist neu im Kino (im Science-Fiction dagegen werden schon lange Menschen geklont) und überall verboten. Doch das passierte nicht. So wie Delpy spielt und inszeniert geht es vor allem um Mutterliebe, die alle Grenzen sprengt, um eine so große Liebe, zu der Männer nicht fähig sind, wie Isabelle einmal James vorwirft. Erst im Letzten Drittel des Films kommt das Klonen und die verrückte Mutter – als Nachfolgerin des verrückten Wissenschaftlers Dr. Frankenstein – mehr in die Blickwinkel. Und die ethnische Diskussion, denn die Frau des Arztes ist auch alles andere als begeistert über die illegalen Dinge, die ihr Mann macht. James auch. Doch nichts kann die Mutter von ihrem Plan abbringen. Dass der dazu noch total egoistisch ist, wird jedoch nicht diskutiert. Kein leichter Film, manchmal sogar ein Film, der einem richtig auf die Nerven geht, weil er lange so unsicher hin und her schwenkt, aber ein Film, der der Mutter-Tochter-Bindung neue Impulse gibt. Am 14. November kommt er ins Kino.

Andrea Dittgen