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Jane bleibt Jane!

Wie ein Star sieht sie nicht gerade aus: kein Kleid, sondern ein grüner Rollkragenpullover mit dicker Perlenkette, grün gemusterte Hose, lockige schulterlange Haare. So kommt Jane Fonda bei ihrer Master Class auf die Bühne. Tags darauf, bei der Pressekonferenz, im  schwarzen Pullover zur schwarz gemusterten Hose, wirkt sie noch schlichter und eleganten. Wie 81 Jahre sieht sie nicht aus, eher wie 60. Sie ist beim Festival Lumière in Lyon, weil sie den Preis „Lumière“ bekommt, eine Plakette für Lebenswerk. Fünf Tage ist sie in der Stadt.

Jane Fonda  bei Ihrer Pressekonferenz beim Festival Lumière in Lyon. Foto Dittgen

Jane Fonda bei Ihrer Pressekonferenz beim Festival Lumière in Lyon. Foto Dittgen

Sie spricht nicht Englisch, sie spricht Französisch. Sehr gut sogar, ohne groß nachzudenken, mit amerikanischem Akzent. Von 1964 bis 1972 lebte die Amerikanerin in Frankreich, drehte mit Jean-Luc Godard und René Clément, spielte in vier Filmen ihres damaligen Ehemannes Roger Vadim. Nur selten fällt sie zurück ins Englische. Wenn ihr ein Wort oder eine Wendung gerade nicht einfällt oder ein Filmtitel. Sie erzählte, dass sie seit 50 Jahren nicht mehr in Lyon war, und damals auch nur kurz, „der Liebe wegen“. Sie lacht. Vor allem aber sagt sie: „Ich bin eine Aktivistin.“ Immer noch. Die Ereignisse vom Mai 1968 in Paris waren für sie ein Anstoß, sich der Politik zuzuwenden. Und dass die USA den Vietnam-Krieg begannen, „Das hat sogar Roger aufgeregt, der sonst auch nicht politisch interessiert war.“ Sie ging nach Hanoi. „Für eine Weile wollten die Studios mich nicht mehr beschäftigen, das war zurzeit von Edgar J. Hoover, dem Chef der FBI. Ich habe die Studios verklagt und gewonnen – mit der ACLU, der American Civil Liberties Union.“ Danach drehte sie auch politisch motivierte Filme und bekam ihre zwei Oscars (für „Klute“ 1971, und „Coming Home“ 1978, weitere fünf Mal war sie nominiert).

„Die Karriere stand nie an erster Stelle. Nie. Aber ich habe entdeckt, dass es sehr gut ist, wenn man Aktivist ist, dass man eine Karriere hat und berühmt ist. Die Leute hören einem dann mehr zu, m wenn man militant ist. Deshalb will ich weiter Filme drehen und präsent sein, damit ich eine bessere Aktivistin sein kann.“  Sie ist überzeugt: „Man kann etwas bewirken, wenn da etwas ist, das von Herzen kommt.“ Sie arbeite, um Geld für ihre politischen Aktivitäten zu haben. Auch ihre Workout-Bücher  und -Videos gingen in diese Richtung. „Dabei habe ich gespürt, was der frühere US-Präsident Thomas Jefferson sagte: Revolution beginnt in den Muskeln“, sagte sie und lacht.  Von Lee Strasberg, dem Schauspieler-Lehrer habe sie eher das Gegenteil gelernt: sich zu entspannen. „Zurzeit interessiere ich mich sehr fürs Schauspielen. Ich bin 81 Jahre alt und glücklich, dass ich in diesem Alter einen festen Job habe.“ In Deutschland ist sie gerade in „Book Club“ im Kino zu sehen, in Amerika lief er gut. „Er kam raus, als ich gerade eine Petition auf den Weg brachte, um ein Gesetz zu ändern. Das hat der Petition sehr geholfen.“

Die bekennende Feministin analysiert, dass in den USA das Patriarchat ein Comeback versucht, gepaart mit Rassismus. „Make America great means make Amercia white”. Donald Trump sei gefährlich, man müsse gegen ihn kämpfen. Dabei sieht sie ihn auch als Opfer. „Es ist nicht einfach jung zu sein und ein Mann zu sein, denn die Gesellschaft raubt den Männern ihre Menschlichkeit, sie zwingt sie, immer stark zu sein. Aber wenn die Männer älter werden und Testosteron verlieren, werden sie sanfter. Bei den Frauen ist es umgekehrt. Ich bin froh, dass ich kein Mann bin – und ich bin froh, dass ich alt bin. Ich arbeite, um Geld zu verdienen für die Barrikaden!“

Andrea Dittgen