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Der bessere Ton

an merkt ihn nur, wenn er scheppert oder Löcher hat: den Ton. Beim Festival Lumière in Lyon kann jeder Besucher  für drei Euro Eintritt in einer Master Class, warum der Ton heute bei restaurierten Filmen gar nicht mehr so schlecht ist, sondern oft so, dass man ihn nicht merkt. Drei Experten, André Labbouz von Gaumont, Léon Rousseau von Diapason und Ronald Boullet von Eclair erläuterten in verständlichen Worten, was sie tun. Mit Filmbeispielen natürlich.

Mit Beginn des Tonfilms also Ende der 20er Jahren wurde der Ton direkt auf den Filmstreifen gebracht, man nennt es Lichtton. Auf dem Filmstreifen sieht an links in Schwarzweiß auf einem 2,5 mm) die Tonspur mit dicken und dünnen Zacken. Ton heißt: Sprache, Geräusche, Musik. Die drei Positionen werden getrennt aufgenommen, gemischt und in dieser Mischung unveränderbar auf die Filmkopie gebracht. Nachteil: Der Ton wird genauso abgenutzt wie das Bild. Je öfter man den Film spielt, umso schlechter wir die Tonqualität (und auch die Bildqualität). Der Ton ist fest mit dem Bild verknüpft, schon im Negativ, ihn zu verändern ist schwer.

Die Referenten der Master Class zur Tonrestaurierung machten eine komplizierte Materie anschaulich. Foto: Dittgen

Die Referenten der Master Class zur Tonrestaurierung machten eine komplizierte Materie anschaulich. Foto: Dittgen

n den 40er Jahren kam der Magnetton auf. Nun wurde der Ton wurde separat aufgezeichnet, es gab eine eigene Tonkopie. Das Magnetband mit dem Ton kam erst später auf die Kopie, und wurde erst einen Arbeitsschritt später in die Lichttonzacken umgewandelt. Das ist beim Restaurieren besser: Es gibt eine eigene Tonkopie, auf die man unabhängig vom Bild zurückgreifen kann. Wenn man sie findet, denn sie wurde oft nicht beim Verleih, sondern beim Tonstudio aufbewahrt, das den Ton mixte. Und dieses Tonstudio existiert meiste nicht mehr (dann muss man auf den üblichen Ton auf der Kopie zurückgreifen und der Vorteil ist wieder dahin).

Um die Jahrtausendwende kam die digitale Abtastung des Tons auf, die heute Standard ist und seit 2003 bei Diapason und Eclair verendet wird – für alle Filme der französischen Produktions- und Verleihfirma Gaumont, wie zu erfahren war. Der Filmstreifen – ob Lichtton oder Magnetton – läuft durch ein Gerät und wird dabei digitalisiert. So kann er besser nachbearbeitet werden. Hört man auf der 35-mm-Kopie noch laute Nebengeräusche und Kratzer, sind sie nach der Restaurierung verschwunden, da man sie herausfiltern kann, was man vorher nur konnte, wenn man die Magnettonkopie noch hatte. Und die Stimmen klingen auch besser. Denn früher wurde der Ton für die Filmkopie so abgemischt, wie man es für die großen Kinosäle brauche, also etwas verfremdet: kontrastreicher, energischer und dynamischer.

Doch die ersten Tonrestaurierungen wurden nicht fürs Kino, sondern ab den 60er Jahren fürs Fernsehen gemacht, wo der Ton für die kleinen Wohnräume wieder etwas zurückgenommen wurde. Daran änderte sich im Prinzip auch nichts, als Video und DVD aufkamen. Erst mit der Möglichkeit, den Ton von der Filmkopie digital abzutasten, waren die Unterschiede hinfällig, denn für die Vermarktung der restaurierten Filme der Ton muss auf verschiedenen Medien  gleichzeitig und gleich gut funktionieren. Wenn heute alte Filme restauriert werden, kann man also davon ausgehen,  dass der Ton mit der bestmöglichen Dynamik, Klarheit und der Entfernung zu lauter Hintergrundgeräusche restauriert wird.

Andrea Dittgen