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Bardem will den Ozean der Antarktis retten

Das Wort Deutschland fällt schon in den ersten Minuten des Dokumentarfilms „Sanctuary“ (Heiligtum), der beim Internationale Filmfestival in Toronto (TIFF) am 6. September 2019 seine Uraufführung hatte. Es geht um einen Teil des Ozeans in der Antarktis, der zum Schutzgebiet, zur Nichtfangzone von Krill (kleine Garnelen) erklärt werden soll: ein Gebiet fünfmal so groß wie Deutschland, heißt es zur Verdeutlichung in dem Film von Álvaro Longoria. Es ist einer der inzwischen recht zahlreichen Filme, in den Stars zu Umweltaktivisten werden (der bekannteste ist Leonardo DiCaprio). Diesmal jedoch keiner, der den Zuschauer mit Fakten und Statements von Wissenschaftler erschlägt, sondern einer, der die Gefühle anspricht.

Es geht auch nicht ums Land – wie meistens – sondern ums Wasser. Das ist in der Antarktis immerhin noch frei von Plastikmüll, wie die Meeresbiologen von Greenpeace feststellen. Der spanische Schauspieler und Oscar-Preisträger Javier Bardem (50) und sein Bruder Carlos sind auf dem Greenpeace-Schiff in der Antarktis, wo die Umweltschützer Daten sammeln und sich an den tollen Schollen erfreuen. Denn dort, bei den Pinguinen und den Walen, sieht die Welt noch recht intakt aus.

Mochte schon als Kind Pinguine, wie er bekennt: Javier Bardem. In der Antarktis kommt er ihnen so nah wie nie. Foto: Courtesy of TIFF

Mochte schon als Kind Pinguine, wie er bekennt: Javier Bardem. In der Antarktis kommt er ihnen so nah wie nie. Foto: Courtesy of TIFF

Sie ist es aber nicht mehr lange, denn den Pinguinen und den Walen, wird die Nahrung weggefischt, Von Booten mit riesigen Netzen. Die sieht man auch. Dagegen kämpft Greenpeace  – ja, es ist ein Greenpeace-Werbefilm, wenn man  so will. Aber dagegen kämpfen auch die Bardems, die es mit ihrem Engagement als Sprecher und Aktivisten ernst meinen. „Um eine Kampagne erfolgreich zu lancieren, muss man eine Geschichte erzählen, die gut reist“, sagt Javier  Bardem, der seine Antarktis-Tour auf Instagram und Facebook postet  und auch selbst filmt, um für Unterstützer-Unterschriften zu werden. Die hoffentlich bei den Politikern etwas bewirken, wie er sich wünscht.

Bardem lässt sich auch in einem kleinen Duo-Tauchboot mit einem Wissenschaftler in die Tiefe gleiten, um zu sehen, was alles gerettet werden soll. Oft sieht man ihn lachen, denn die Fische und Pflanzen unter Wasser sehen wirklich sehr schön aus. Auf dem Schiff spricht er mit den Biologen, darunter auch die deutsche Meeresexpertin Sandra Schöttner und lässt sich alles erklären. Das war im Januar 2018.

Als Bardem aus der Antarktis zurückgekehrt ist, macht er Lobbyarbeit, denn im Oktober 2018 soll  die Antarktis-Kommission CCAMLR das Gebiet zum weltgrößten Meeresschutzgebiet erklären. Dafür macht er Werbung – im deutschen Bundestag, wo er im Umweltausschutz spricht und in Großbritannien. In Deutschland hat sein Auftritt medienmäßig im Vorjahr keine so großen Wellen geschlagen, umso überraschter ist man, wenn man ihn nun in Berlin sieht. Allerdings nicht mit Angele Merkel, die hat nur seine Petition gelesen und mit handschriftlichen Anmerkungen versehen, wie man erfährt. Leider erfährt man auch, dass im Oktober 2018 in der CCAMLR drei Länder gegen die Ausweisung des Schutzgebietes votiert haben, weshalb der Antrag scheiterte: Norwegen, Russland und China – den Staaten, die dort im Niemandsland fischen. Die Umweltaktivisten sind enttäuscht, wollen aber weitermachen – und im diesem Herbst, wenn dieser Film hoffentlich weltweit in die Kinos kommt – es noch einmal versuchen.

Andrea Dittgen