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Der grausame Junge

Die „Drei Zinnen“ aus dem Titel des zweiten Films von Jan Zabeil könnten auch für die drei Personen stehen, um die es in diesem Kammerspiel. Aaron, seine Freundin Lea und deren achtjähriger Sohn Tristan verbringen die Ferien in einer einsamen Berghütte in den Dolomiten. Sie sind eine Patchwork-Familie, auch akustisch: Alle drei sprechen Deutsch. Französisch und Englisch, wie es gerade passt. Weiterlesen

Die Ministerin und ihre Männer (von links): Ronald Zehrfeld, Louis Hofmann, Monika Grütters, Volker Buch und Alexander Fehling.

Auf engem Raum

German_Films_Empfang_3Beim deutschen Empfang sind die Deutschen in Cannes weitgehend unter sich: Filmemacher, Schauspieler, Produzenten, alle, die in der Branche arbeiten. Die Kulturstaatsministerin ist da und hält eine kurze Rede, in diesem Jahr wurden erstmals sechs Schauspieler unter dem Titel „Face to Face“ präsentiert, es gibt viel zu trinken (allein vier Sorten Pfälzer Wein) , so gut wie nichts zu essen (Oliven und Erdnüsse), aber die Stimmung in der von German Films  angemieteten Villa mit großen Garten, etwa zwei Kilometer vom Festivalgeschehen entfernt, am späten Samstagabend (nach der überstandenen Evakuierung) ist immer gut.

Warum Cannes und dieser Empfang wichtiger ist als Veranstaltungen in Berlin, erklärte mir dort ein Rheinland-Pfälzer: der 1980 in Mainz geborene (und inzwischen in Berlin lebende) Kurzfilmer Erik Schmitt. Er ist zum dritten Mal hier, Sein witziger Fünf-Minuten-Kurzfilm „Santa Maria“ wurde als „Next Generation Short Tiger“ im Filmmarkt präsentiert: „Das Besondere an Cannes ist, dass sich hier die ganze deutsche Filmwelt auf engem Raum trifft, die sonst überall verteilt ist. Selbst in Berlin sitzen alle in ihren Wohnungen, und hier sind alle am selben Ort, am hat Zugang zu Leuten, die man sonst nicht sehen würde. Am Anfang war es spannend, eine neue Welt. Dann wird es immer mehr Business. Man lernt Leute kennen und knüpft Kontakte, die später wichtig sind, lernt Schauspieler kennen, die interessant sind.“ In Cannes lernte er auch die Hauptdarstellerin für seinen ersten langen Spielfilm kennen, den er im Sommer dreht, verriet er beim Kurzinterview.

So war es kein Wunder, dass Kulturstaatsministerin nach zweiGerman_Films_Empfang_akinwe Sätzen auf Englisch für die ausländischen Gäste auf Deutsch weitermachte und sogar Filmwissen an den Tag legte (oder einen guten Redenschreiber hatte):

„Ich freu mich hier zu sein, weil der deutsche Film lange nicht ein so starkes Statement auf der internationalen Bühne vorweisen konnte. Allein 16 Filme mit deutscher Beteiligung hier in Cannes, mit Valeska Grisebachs „Western“ und einem Wettbewerbsbeitrag mit Fatih Akins Film „Aus dem Nichts“  – letztes Mal Maren Ade, die diesmal in der Jury ist – und überhaupt die Frauen machen wieder Lust auf den deutschen Film. Fatih Akin natürlich auch. Das können Sie ruhig mal beklatschen! Damit die Künstlerinnen und Künstler Filme machen können, machen wir in der Politik das Einzige, was wir können, wir schaffen die Möglichkeiten, damit sie ihr Dinge machen können. Wir haben die kulturelle Filmförderung erhöht, damit Fatih Akins beispielsweise in letzter Sekunde das nötige Geld für seinen Film noch bekommen hat und der Film fertig geworden  ist. Ich freue mich, dass die neuen Regeln erfolgreich sind. Es war William Wyler, der gesagt hat – er hat vor 60 Jahren hier die Goldene Palme bekommen, er hat über40 Jahre Western gemacht – er würde nur darüber nachdenken, auf welche Weise man am besten auf ein Pferd rauf- und wieder runterkommt. Und ich denk, unsere Aufgabe ist es, Sie zu unabhängig zu machen von allen lästigen Behinderungen, dass Sie wirklich alles tun können, um 40 verschiedene Wege zu finden, um auf ein Pferd rauf und runterzukommen. Schön, dass wir mit „Western“ einen guten Auftakt in Cannes haben.

Der Film, der 1957 gewann war William Wylers „Lockende Versuchung“, ein Western mit Gary Cooper und Anthony Perkins.

Erik Schmitts Film „Santa Maria“ ist der seltene Fall eines Vertikalfilms, also ein Film, der für das senkrechte Format auf dem Handy gedreht ist (so wie Anfang und Ende von Michael Hanekes Wettbewerbsfilm „Happy End“), sein Kameramann Johannes Louis ist auch aus Mainz.

Von den sechs Schauspielern, die auch filmisch vorgestellt wurden, waren nur Volker Buch, Alexander Fehling, Louis Hofmann und Ronald

Zehrfeld beim deutschen Empfang in Cannes (Tom Schilling und Jannis Niewoehner fehlten). Man ließ sie auf der Bühne für die ausländischen Gäste auch Fragen auf Englisch beantworten, bei denen sich überraschenderweise der in der DDR (Ostberlin) aufgewachsene Ronald Zehrfeld mit dem besten Englisch glänzte.

Der Ministerin gefiel es beim Empfang gut, sie sprach auch mit den Schauspielern und wurde sogar nach Mitternacht noch gesichtet.

Andrea Dittgen