Das Gesicht des Kannibalen wird immer verfremdet gezeigt. Foto: Courtesy of TIFF

Der Kannibale mag Disney-Filme

Die Geschichte ist so  schrecklich, dass man sie in einem Spielfilm nicht erzählen könnte: 1981 tötete der damals 32-jährige japanische Medizinstudent Issei Sagawa in Paris eine Mitstudentin, die seine Liebe nicht erhörte. Danach vergewaltigte er die Leiche und aß Teile von ihr auf. Zwar wurde er geschnappt, aber für unzurechnungsfähig erklärt und  nach Japan zurückgeschickt. Weiterlesen

Konzert beim Fimfest

Von Timo Benß

Anna Loos auf dem Roten Teppich in Ludwigshafen. Foto: Kunz

Anna Loos auf dem Roten Teppich in Ludwigshafen. Foto: Kunz

Musik und Film gehören einfach zusammen. Und dass eine Band auf ein Filmfest passt, hat der Auftritt von Silly am Sonntagabend noch einmal bestätigt.

Die Doku von Sven Halfar „Silly – Frei von Angst“ feierte auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen Premiere. Statt eines klassischen Filmgesprächs, wie es bei anderen Filmen des Festivals üblich ist, gibt es ein Unplugged-Konzert der Band. Doch über den Film gesprochen wurde trotzdem.

Viel geredet wurde zum Beispiel über die Teilung Deutschlands. Silly wird ja noch oft genug als „Ost-Band“ wahrgenommen. Anna Loos setzt da entgegen: „Ich bin Wossi!“ Und wie es scheint, mit Stolz. Die Band wirkt beim Gespräch wie die gelungene Wiedervereinigung in Person.

Für den Film hat Sven Halfar die Band rund um die Uhr mit Mikrofonen ausgestattet und mit handlichen Kameras gefilmt – die Musiker bemerkten sie irgendwann nicht mehr, sagte Loos. Und es sei komisch gewesen, wenn sie mal nicht dabei gewesen seien. Insesamt mussten für den Schnitt 200 Stunden Material gesichtet und ausgewertet werden. Für Cutterin Eva Kohlweyer keine leichte Aufgabe, wie sie verriet.

Überraschung mit Helene

41 deutsche (Co-)Produktionen sind beim Festival von Toronto  (TIFF) zu sehen, mehr als bei irgendeinem anderen internationalen Festival. Und spätestens am ersten Festivalsonntag treffen sich viele der Beteiligten beim deutschen Empfang, den German Films, die Organisation, die deutschen Filmen im Ausland hilft (auch finanziell) in einer Kneipe mit dem schönen Namen „Peter Pan“ ausrichtet. Oder davor. Weiterlesen

„Dark“, die erste deutsche Netflix-Serie

Der Ort Winden aus der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ ist nicht das Winden in der Südpfalz! Leider. Oder Glücklicherweise.  Er hätte die Pfalz sonst in die Schlagzeilen gebracht: als Horrorort mit Kernkraftwerk, dunklen Wäldern und gleich zwei verschwundenen Kindern. „Dark“ hatte am Samstagabend beim Festival von Toronto Premiere. Natürlich nicht die  ganze Serie – die im Winter bei Netflix herauskommt – sondern wie bei Filmfestivals inzwischen üblich, die ersten zwei Folgen, zweimal 45 Minuten. Der Saal war voll, rausgerannt sind nur drei Zuschauer, die Stimmung war gut und hinterher standen der (Schweizer) Regisseur Boran bo Odar („Who Am I“), seine Drehbuchautorin Jantje Friese und Hauptdarsteller Louis Hofmann  den Zuschauern Rede und Antwort.

„Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  ist nur eine Illusion, ein Satz von Albert Einstein,   steht als Motto am Anfang nach den Vorspann mit Fotos aus der Stadt, die sich wein Rohrschachtest auffalten. In der Kleinstadt Winden ist ein Kind verschwunden. Das ist Gesprächsthema im Ort. Selbst bei den Teenagern, die schon mal gerne im Wald raumtreiben. Sie stehen im Mittelpunkt, vor allem Jonas, der nach zwei Monaten Abstinenz (er war in einer Anstalt in Behandlung, weil er immer vom Selbstmord seines Vaters träumt, offiziell beim Schüleraustausch in Frankreich) wieder in die Stadt zurückkommt und genauso wenig Bescheid weiß wie die Zuschauer,  also ein gute Identifikationsfigur ist. Neben den üblichen Eifersüchteleien, dem Kräftemessen der Jungs und den ersten Liebesaffären sind die neugierig und treiben sich im Wald rum. Dabei verschwindet das nächste Kind, denn der kleine Bruder, auf den einer Teenager aufpassen soll, ist plötzlich auch verschwunden. Und der Jammer in der Familie groß. Die Polizistin des Orts ist ratlos, alle anderen auch, bis die Teenager im Wald eine Tür finden, die nur zum KKW führen kann. Doch trotz Durchsuchungsbefehl lassen die Leute vom KKW die Polizei nicht rein – obwohl die Schließung des KKWs bereits beschlossen ist und in den nächsten Jahren erfolgten soll. Und dann ist da noch der Umschlag, den Jonas Vater bei seinem Selbstmord hinterließ – auf dem steht: nicht vor dem 4. November um 22.13 Uhr öffnen. Am Ende der zweiten Folge ist es soweit, der Umschlag wird geöffnet, aber was in dem Brief steht, erfährt man nicht.

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Fotzo: Courtesy of TIFF

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Foto: Courtesy of TIFF

Soweit die ersten zwei Folgen.  Die sind so angelegt, wir bei Serien üblich. Viele Figuren werden eingeführt – es sind über 70, wie Friese verriet – verschiedene Handlungsstränge beginnen und so genau weiß man noch nicht, was Sache. Was man jedoch nach zwei Folgen schon sagen kann: Die Figuren sind schon typisch deutsch, aber die Atmosphäre ist es eher nicht. Trotz sehr deutsch aussehender Schule und Straßen. Da gibt es dunkle Wälder und geheimnisvolle Häuser. Doch gedreht wurde nicht irgendwo auf dem Land, sondern in Berlin, wie der Produzent verriet. Doch höchsten ein, zwei Straßenzüge und eine stattliches Haus sehen aus wie Berlin, der Rest könnte überall spielen. Das Dark (dunkel) aus dem Titel ist wörtlich zu nehmen, viele Szenen spielen im Dunkeln, das Schaurig-Mysteriöse, das sich schon nach zehn Minuten einstellt, wird unterstrichen durch die oft ins Ohr schneidende Musik (von Ben Frost). Die ersten zwei Folgen sind spannend, sie machen Lust auf mehr, denn geschickt wird angedeutet, dass mehr als nur eine der Personen etwas zu verbergen hat.

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

Was beim Publikumsgespräch herauskam: Odar und Freise bekannten sich dazu, Kinder der 80er zu ein und Serien wie „Twin Peaks“ zu mögen. Weshalb eine der drei Ebenen von „Dark“ ins Jahr 1986 zurückgeht, eine weite ins Jahr 1953. Und es soll ein Mix sein aus, aus Thriller, Mystik über Übernatürlichen, verrät Odar. 10 Folgen hat die erste Staffel, die natürlich nicht nur für den deutschen Markt gedreht ist, sondern international vermarktet wird. Netflix war vor zwei Jahren auf Odar zugekommen und wollte eine Serie im Stil von Odars Kinofilm „Who Am I“ (2014, sie hatte auch in Toronot Premiere). Doch Odar wollte sich nicht wiederholen und erinnerte sich an die Geschichte von „Dark“, die schon seit fünf Jahren in der Schublade lag. Gedreht wurde 150 Tage innerhalb von sechs Monaten.

Andrea Dittgen

 

Überraschungsgast Julia Jentsch

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Julia Jentsch und Regisseur Florian Hoffmeister. Foto: ütz

Von Susanne Schütz

Stars kann man auf der Ludwigshafener Parkinsel beim 13. Festival des deutschen Films auch mal unverhofft begegnen. Zum Beispiel Julia Jentsch. Die Schauspielerin hatte überraschend doch Zeit, um ihren Film „Die Habenichtse“ vorzustellen, in dem sie ungewohnt sanft und weich eine Grafikerin spielt, die sich etwas zu schnell in eine Ehe stürzt und ihrem Mann nach London folgt, wo sie nicht richtig Fuß fassen kann. Weiterlesen

Der grausame Junge

Die „Drei Zinnen“ aus dem Titel des zweiten Films von Jan Zabeil könnten auch für die drei Personen stehen, um die es in diesem Kammerspiel. Aaron, seine Freundin Lea und deren achtjähriger Sohn Tristan verbringen die Ferien in einer einsamen Berghütte in den Dolomiten. Sie sind eine Patchwork-Familie, auch akustisch: Alle drei sprechen Deutsch. Französisch und Englisch, wie es gerade passt. Weiterlesen

Arme Ritter auf der Parkinsel

Von Susanne Schütz

Der Zug war zweieinhalb Stunden verspätet, und so sind Regisseur Lars Jessen und sein Drehbuchautor/Hauptdarsteller Heinz Strunk erst mitten während der Premiere ihrer liebenswert-skurrilen Komödie „Jürgen  – Heute wird gelebt“ zum 13. Festival des deutschen Films auf die Ludwigshafener Parkinsel gekommen – und ins volle Kinozelt geplatzt, als so ziemlich das gesamte Publikum gerade prustend lachte. Weiterlesen

69 Jahre, wild und sexy

In dem schwarzen trägerlosen Bikini macht sie eine tolle Figur. Dazu der verrückte Hut. Wie früher. Sie singt und tanzt wie vor 30 Jahren. Grace Jones, die farbige Stilikone mit der Backsteinfrisur, den schrillen Kostüme, das Wesen zwischen Mann und Frau ist wieder da. Sie ist 69., wild und sexy. Noch nie hat eine Frau in diesem Alter auf der Bühne so toll ausgesehen. Wo war Grace nur in all den Jahren? Weiterlesen