Berlinalepalats

Körper und Seele

„Es hat sich eigentlich nichts verändert“, hat Berlinale-Chef Dieter Kosslick auf die Frage geantwortet, wie er sich denn so fühle bei seinem vorletzten Festival. Und tatsächlich: Auch die Rituale der Journalisten vor Ort ähneln sich im 18. Jahr. Akkreditierungskärtchen abholen, Zeitplan abgleichen, Tasche abholen – rot oder grau steht diesmal zur Auswahl. „Gutes neues Jahr“, begrüßt der Sicherheitsmann nach einer Stunde Anstehen die allerersten Journalisten, die zum Freitagmorgenfilm im Berlinale-Palast kommen. Und der Kollege aus Dänemark will wissen: „Wie war dein Jahr?“. Man wundert sich, wo der Kollege aus Indien und die Luxemburger sind, die sonst mit früh Schlangestehen. Und tauscht sich aus: Was war der beste dänische Film, der beste deutsche und der beste der vergangenen zwölf Monate überhaupt? Wobei wir uns einig sind: Genau der erste Freitagsfilm bei der Berlinale vor einem Jahr war unser Favorit: „Körper und Seele“ aus Ungarn.

Veganes im Bärenkeller

An diesem Morgen nun: auch ein Film über (alternde) Körper und Seelen, der erste aus Paraguay im Wettbewerb. Alle wollen ihn mögen. Klappt aber nicht. Manchem Kollegen fallen gar die Augen zu: Die Nacht zuvor war man doch länger auf dem Eröffnungsempfang geblieben, in der Hoffnung, dass vielleicht doch etwas passiert. Wo es schon mal geklappt hat, sich in den euphemistisch betitelten „Bärenclub“ im Untergeschoss zu begeben, ohne ein dafür scheinbar erforderliches „blaues Bändchen“. Plakatmotive zum Eröffnungsfilm „Isle Of Dogs“ hängen hier, japanisch anmutend, auch die im Film wichtige Seilwinde zum Hundetransport ist nachgebaut. Vierbeiner aber sind nicht anwesend. Auch auf den Tellern gibt es nichts Tierisches. Die syrischen Vorspeisen, die Köchin Malakeh Jazmati auftischt, sind vegan: Weinblätter, Okra, Artischocken Hummus und irgendwas, das knirscht. Nüsse vermutlich. Ihr Kollege Bernd Werner hat allerdings Ziegenkäse in seine Maultaschenvarianten geschmuggelt.

Regisseur auf hohen Hacken

Die Gäste probieren eher vorsichtig und wirken teils schon so ausgelaugt, als wäre die Berlinale schon im Endspurt: Die Debatten um rote oder schwarze Teppiche, Highheels oder Turnschuhe hat schon viele erschöpft. Immerhin haben die Brüggemann-Geschwister die Diskussion dann doch mit Humor unterfüttert: Regisseur Dietrich Brüggemann hat sich in Begleitung seiner beturnschuhten Schwester Anna auf Hochhackiges gewagt und ein Oberteil gewählt, das ihn wie einen nackerten Muskelprotz wirken ließ. Mit dem Thema, dass Frauen bei Filmproduktionen angstfrei arbeiten können sollten, hat das dann aber nichts zu tun gehabt. „Es vermischt sich einfach zu viel in dieser Debatte“; meint der dänische Kritikerkollege denn auch seufzend und empfiehlt, ein Jugenddrama aus seiner Heimat in der Reihe „Generation“ anzuschauen. Schließlich soll es ja um Filme gehen.

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