Ins Rampenlicht

Sie bleiben oft im Hintergrund, ihre Namen sind selten bekannt, selbst beim Deutschen Fernsehpreis sind sie jüngst ausgeladen worden: die Drehbuchautoren. Während der Berlinale aber widmet ihnen sogar Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Zeit: Beim Empfang der Drehbuchautoren verleiht sie eine goldene Lola – an ein noch nicht verfilmtes Skript. Dieser mit immerhin 30.000 Euro dotierte Deutsche Drehbuchpreis kann bisweilen den Weg zu großem Erfolg ebnen: So hat 2015 Thomas Stuber („Herbert“) mit „In den Gängen“ gewonnen – und nun darf er mit der Verfilmung seines Buchs auf einen goldenen Bären hoffen: Sein Film über eine Liebe zwischen Supermarktregalen, die in der Nachtschicht aufgefüllt werden, darf den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb beschließen.

epa05061496 Kosovo Albanian director Visar Morina poses during the photocall for the movie 'Babai' (Father) at the 15th annual Marrakech International Film Festival, in Marrakech, Morocco, 09 December 2015. The festival runs from 04 to 12 December. EPA/ABDELHAK SENNA +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Ausgezeichneter Autor: Visar Morina, hier bei einem Festivalauftritt in Marokko. Foto: dpa

Das Drehbuch der Vorjahressiegerin Angelina Maccarone ist noch nicht verfilmt, aber der Preisträger 2018 ist guter Dinge, dass sein Buch in nicht allzu ferner zeit ins Kino kommen kann: Er hat bereits eine Filmproduktionsfirma überzeugen können, Komplizenfilm. Noch aber hält der aus dem Kosovo stammende Visar Morina seine Lola etwas ungläubig in der Hand, dreht sie und staunt.

Sorge um die Zukunft Europas und Deutschlands wegen rechter Stimmen

„Exil“ heißt sein Drehbuch, das in der Jurybegründung als „Chronik einer schleichenden, wachsenden, womöglich aber auch nur eingebildeten Bedrohung“ beschreiben wird. Im Mittelpunkt: ein albanischer Familienvater, „der bestens integrierter Spießbürger und beäugter ,Fremdkörper‘ zugleich ist“ und sich bedroht fühlt. Die Initialzündung sei eine Autofahrt gewesen, berichtet der 1979 in Pristina geborene Autor und Regisseur, der 2014 sein eigenes Drehbuch „Babai“ verfilmt hatte und mit der Fluchtgeschichte beim Filmfest München ausgezeichnet worden war: „2016 war für mich ein wichtiges Jahr, ich hatte das Gefühl, das etwas passiert. Wir waren auf dem Weg von Wien zurück nach Deutschland und mussten an der Grenze eine Stunde warten. Und waren geduldig. Das hat mich irritiert, dass das Warten an einer Grenze wieder etwas Normales geworden ist.“ Die Zukunft Europas und Deutschlands macht ihm angesichts rechter Stimmen auch im Bundestag Sorge. „Ich habe das Gefühl, das da ein sehr unangenehmer Geist im Gange ist.“

Preisverleihung in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Einen unguten Geist prangerte bei der Preisverleihung, die in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung über die Bühne ging und von Weinen der Südlichen Weinstraße begleitet wurde, auch Moderator Sebastian Andrae an. Über Schatten und Schattenmänner, die zu lange gedeckt worden seien, sprach der geschäftsführende Vorstand im Verband Deutscher Drehbuchautoren die Vorwürfe gegen Dieter Wedel an– erntete jedoch weniger Applaus, als er sich wohl erhofft hatte.

 

 

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