US-Regisseur Gus Van Sant erzählt von seiner Jugend, seinem Debütfilm, der 1986 bei der Berlinale lief, und seinem neuen Film. Foto: Amazon Content Series LLC/Scott Patrick Green

In der Jugend stecken gelieben

Als Teenager zog er oft um, weil sein Vater Handlungsreisender war, bis die Familie in einer Ferienstadt für New Yorker sesshaft wurde, einer Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern: Es geht um Gus Van Sant (65). Im 90-minütigen Publikumsgespräch bei der Berlinale erzählte der US-Regisseur, der vor allem Filme mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen dreht, erstmals länger über seine eigene Jugend.

Lehrer wecken Interesse für Filme

Sein Kunstlehrer an der Junior High School hatte ihn 1962 sein Interesse für visuelle Künste geweckt – Gus malte und gestaltete Poster. Sein Englischlehrer brachte ihn dazu, sich für Film zu interessieren. „Er zeigte uns Kurzfilme vom National Film Board of Canada“, erinnert sich Van Sant. Er habe dann auch einen gedreht. Als er zwischen 14 und 17 Jahre alt war, habe er beides gemacht: gemalt und gefilmt. Mit 16 arbeitete er im Sommer im New York Film Archive des Filmmuseums und lernte New York Underground-Filmmacher wie Jonas Mekas kennen. Das habe ihn beeinflusst, auch wenn er für das Kino nicht die Schule geschwänzt habe. Warum er so oft Filme mit Jugendlichen und Erwachsenen dreht, weiß der zweimal für den Regie-Oscar nominierte Kultregisseur auch: „Für das Geschichtenerzählen ist die Jugend eine gute Zeit, eine Zeit der Entdeckungen, man arbeitet mit Figuren, die etwas lernen, das endet manchmal übel, aber es ist wichtig. Vielleicht bin ich selber in dieser Zeit steckengeblieben.“

Manchmal hat man jemand von Anfang für eine Rolle im Blick, manchmal macht man Castings. Doch einmal überzeugte ihn eine Schauspielerin am Telefon, mit der er nicht zuvor gearbeitet hatte: Nicole Kidman. „Sie rief mich an und wollte unbedingt die Hauptrolle in ,To Die For‘ (1995) spielen (eine Wettermoderatorin im Fernsehen). Ich sagte ihr, dass ich jemand anders haben wollte. Und sie entgegnete, dass sie berufen (destined) sei  für die Rolle. Dieses Wort, destined, hat mich stutzig gemacht. Ich weiß, dass du mich nicht willst, hat Nicole gesagt, und dann sprach sie weiter über die Rolle. Und am Ende des Gespräch habe ich beschlossen, ihr die Rolle zu geben.“

Bereits 1986 bei Berlinale

Die Berlinale war Gus Van Sants allererstes Festival, erinnert er sich. 1986 lief sein Debütfilm „Mala Noche“ im Panorama. Daran erinnere ich mich auch: an einen schüchternen jungen Mann in der Mitternachtsvorstellung im „Filmkunst 66“ – und dass ich bei diesem Schwarzweiß-Film mit wenigen Farbszenen zwischendurch eingenickt bin, wahrscheinlich weil er so dunkel war. Diesmal hat Gus Van Sant bei der Berlinale einen Film im Wettbewerb mit dem schönen Titel „Don’t Worry: He Won’t Get Far on Foot“ (Sei unbesorgt, zu Fuß kommt er nicht weit). Es ist das Porträt des amerikanischen Cartoonisten John Callahan (1951-2010), der als junger Mann bei einer Party so betrunken war, dass er stürzte, für den Rest seines Lebens im Rollstuhl saß und zu zeichnen begann. Es ist eine Komödie, aber noch ohne deutschen Kinostart.

Dieser Beitrag wurde am von in Berlinale 2018 veröffentlicht. Schlagworte: .
Andrea Dittgen

Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

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