Fürsorgliche Gäste

„Dass die hier nichts verlangen, da könnten sie doch ordentlich was verdienen“, sagt eine Besucherin des Ludwigshafener Festivals des deutschen Films kopfschüttelnd und nahezu empört beim Händeabtrocknen in den Toilettencontainern. Sie klingt eher entrüstet, weil tatsächlich niemand 50 Cent von ihr möchte. Nicht, weil sie eine Gebühr happig finden würde: Viele Parkinselgäste empfinden das Filmfestival fürsorglich als ihr eigenes und scheinen sich nahezu verantwortlich zu fühlen für seinen Fortbestand, neue Finanzierungsideen inklusive.

Überhaupt wirken die Festivalbesucher dieser 13. Ausgabe offen und experimentierfreudig. Am Freitagabend steht eine Gruppe älterer Herrschaften vor der Infotafel zu den Filmgesprächen im Rheinstrand-Zelt und sinniert, welches sie wohl besuchen könnten – ohne offenbar die Filme zu kennen. „Da, ‚Der lange Sommer der Theorie‘, das klingt doch gut“, beschließt die Anführerin keck und ganz ohne Ironie in der Stimme. Niemand erhebt Widerspruch. Aber erst noch was zu trinken holen.

hoch1

Das Samstagsfilmgespräch-Programm ist noch dichter gepackt. Und ab frühem Abend fest in TV-Kriminalistenhand. Ebenso der rote Teppich im Stundentakt: „Tatort“, „SpreewaldkrimI“, „Der Kriminalist“, dazwischen ein weiterer „Tatort“. Ein Marathon auch für die Presse, die daher versucht, viele Filme vorab schauen zu können. Vor Ort ist dieses Jahr ein kleines Kämmerlein mit drei Sichtungsplätzen eingerichtet worden, die Heimstatt der Filmkritiker. Die Technik läuft bestens, die Toiletten sind auch nicht weit, doch einen Wermutstropfen gibt es. Oder zwei: Nicht nur, dass Filme auf einem kleinen Bildschirm nicht so richtig wirken können wie auf großer Kinoleinwand (ok, bei Fernsehfilmen ist das zu verkraften). Nein, vom Fenster des kleinen Containerraums blickt man auf ein arg laut brummendes Generatorkühlding, stolz „Thermo King“ benannt: Hier wird für die richtige Temperatur auf dem Festival gesorgt,, laut Hersteller „bedienerfreundlich und leise“. Stimmt nicht so ganz. Dagegen hilft nur: Kopfhörer auf und Lautstärke aufs Maximum drehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *