Die Zauberin

Gedeck_Filmgespräch

Haben sichtlich Spaß: Filmkritiker und Programmberater Josef Schnelle, Martina Gedeck und Festivalleiter Michael Kötz (von links). Foto: ütz

Von Susanne Schütz

Doch, das hat schon überrascht: Martina Gedeck, der wohl größte Star des diesjährigen Festivals des deutschen Films auf der Ludwigshafener Parkinsel, ist unglaublich freundlich. Keine bisherige Preisträgerin, kein Preisträger ohnehin, hat sich so sehr eingelassen auf diese Auszeichnung. Sogar eine eigene Rede hat sie vorbereitet. Und die war, wie Programmberater Josef Schnelle später beim Bühnengespräch Festivalchef Michael Kötz unter die Nase rieb, „schöner als deine“. Worauf Martina Gedeck doch glatt abwehrte und einwarf, dass es doch hier um keinen Wettbewerb gehe. Das ist genau das Schöne an ihr: Die 55-Jährige drängt sich nicht in den Vordergrund. Machtspielchen hat sie nicht nötig. Im Publikumsgespräch im überfülltem Rheinzelt zeigt sie sich bisweilen sogar verletzlich, auf jeden Fall stets sehr offen. Man dürfe „nicht auf Wirkung bedacht“ spielen, sagt sie. Ein Satz, der auch von einer Haltung im Leben zeugt.

Martina Gedeck als angenehme, interessierte und auch witzige Gesprächspartnerin – das war nicht unbedingt zu erwarten. Schließlich hat sie im Vorjahr unter Filmjournalisten für Unruhe gesorgt: Der Journalistenverband DJV hat eine „Warnung“ vor Interviews mit ihr herausgegeben, da sie nicht nur eine Autorisierung ihrer Zitate verlange, was branchenüblich ist, sondern auch über „Überschrift, Zwischenüberschriften, Bildunterschriften und Hervorhebungen durch Fettdruck“ bestimmen wolle. „Wenn Journalisten zu Werbeträgern degradiert werden sollen, ist Boykott die einzig mögliche Antwort“, befand DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Offenbar hat er aber selbst nie mit Martina Gedeck gesprochen. Anlass für ihr Ansinnen sollen falsche Zitate und Überzeichnungen in einem bestimmten Fall gewesen sein. Und wer ihr zuhört, kann verstehen, dass es sie ärgert, wenn sie missverstanden oder bewusst falsch dargestellt wird. Um Werbung geht es ihr sicher nicht, sie möchte nur nicht von ihr schlicht nur Zugeschriebenem, das sie gar nicht gesagt hat, verfolgt werden.

Inzwischen scheint sie aber wieder versöhnt, zumindest hat sie in Ludwigshafen ganz unkompliziert auf alle möglichen Fragen, auch die ganz oft schon ihr gestellten geantwortet. Warum sie Schauspielerin werden wollte, will etwa der Festivalleiter Michael Kötz im Bühnengespräch wissen. Oder stellt zumindest diese Frage. Gedeck scheint kurz innerlich zu seufzen, erzählt dann aber bereitwillig vom Germanistikstudium, der Liebe zur Literatur und der Frage, wie daraus ein Beruf werden könnte. Die „Lust auf Freiheit und der Wunsch, sich nicht eingeschränkt zu fühlen“, hätten sie schließlich zum Schauspielberuf gebracht. Vorher hatte sie schon sichtlich bewegt noch einmal erklärt, warum sie gerade Katherine Hepburn („Sie konnte wahnsinnig komisch sein“), Bette Davis (ihrer Dramatik wegen) und Marilyn Monroe („sie war wie eine Sonne, die aufgeht“) bewundert. Spätestens da war das gesamte Publikum endgültig verzaubert, auch weil Martina Gedeck die Gabe hat, ungeheuer mitreißend zu erzählen. Und sie wirkt, auch wenn sie in ihrer Arbeit anspruchsvoll sein mag und ihren Beruf sehr ernst nimmt, dennoch wie eine Person, die sich eine grundlegende Bescheidenheit und Bodenständigkeit bewahrt hat. Da wird kein Ego ausgestellt, auch die gerade bei großen Schauspielern oft erwarteten „Allüren“ scheinen ihr fremd. Von Schauspielpreisträgern ist man da ganz anderes gewohnt. Auch Josef Schnelle dürfte froh gewesen sein, nicht wie einst von Klaus Maria Brandauer nach einer nicht ganz so klugen Frage, abgekanzelt und einfach sitzen gelassen worden zu sein. Und die Rote-Teppich-Journalisten waren auch erleichtert, nicht wieder kratzbürstige Worte wie zuletzt von Devid Striesow zu ernten. Aber es können ja nicht alle so professionell wie Martina Gedeck sein.

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