Der zahme Rassist

„Man muss auch seine Feinde kennen“, sagte Thom Powers, der beim Festival von Toronto die Dokumentarfilme aussucht, vor der Vorstellung von Erol Morris‘ Film über Steve Bannon: „American Dharma“. Die Sache mit den Feinden ist richtig, aber Oscar-Preisträger Morris hat sich mit diesem Film keinen Gefallen getan, kommt der Rechtpopulist darin doch viel zu gut weg. Bannon leitete von 2012 bis Anfang 2018 die Website Breitbart News Network, zwischendurch war er Berater von Donald Trump in dessen Wahlkampf und 2017 auch sein  Chefstratege, als Trump Präsident wurde. Er ist durch rassistische  Äußerungen aufgefallen und zählt zu den alternativen Rechten und Wirtschaftsnationalisten und hat sich in Deutschland schon mit AfD-Mitgliedern getroffen und unterstützt in Europa nationale rechte Bewegungen und Regierungen. Doch Bannons politische Gesinnung kommt in der Doku kaum rüber, er bleibt erstaunlich vage, ist freundlich, nichtssagend, und gibt sich filmaffin.

Man sieht Bannon in einer Art Militärjacke in einem Militärhangar, der exakt so aussieht wie n dem US-Kriegsfilm „Der Kommandeur“ („Twelve O’Clock High“ ,1949) mit Gregory Peck, einem von Bannons Lieblingsfilmen, aus dem auch Ausschnitte gezeigt werden. Ebenso wie aus anderen Bannon-Favoriten wie „Die Brücke am Kwai“ (1957) und dem Western „Der schwarze Falke“ („The Searchers“ ,1956) mit John Wayne. Er Bannon sitzt am Tisch Morris gegenüber und erklärt, welche amerikanische Werte und Helden er schätzt und dass man seine Pflicht tun müsse. Auf Morris‘ Bemerkung, er sehe einen guten Bannon und einen bösen Bannon, reagiert der 64-jährige Rechtspopulist nicht, der sonst so gerne von der Macht des weißen Amerika spricht. Hier gibt er sich zahm oder vielmehr oft so abstrakt wie ein Wissenschaftler, der Gedankengebilde aufbaut, die man nicht versteht. Im Fall von Bannon sind es oft Worthülsen.

Steve Bannon in Militärjacke im nachgebauten Hangar aus dem Kriegsfilm "Twelve O'Clock High". Foto: Courtesy of Tiff

Steve Bannon in Militärjacke im nachgebauten Hangar aus dem Kriegsfilm „Der Kommandeur“. Foto: Courtesy of Tiff

Manchmal versucht Morris, kritisch zu sein und fragt Bannon konkret, was er, der die Nato abschaffen will, denn stattdessen haben will. Doch da hat er keine Ideen. Ebenso wenig konkretisiert er die Revolution, die er in Europa einleiten will. Immerhin kommt die Selbstherrlichkeit Bannons durch, die durchaus mit der von Trump vergleichbar ist – und Bannosn Fehler, die dazu führten, dass erst Trump und später Breitbart News ihn rauswaren. Morris nimmt dazu Twitter-Posts, Zeitungs- und Internetschlagzeilen. Doch die lässt er so schnell durchlaufen, dass man sie nicht richtig lesen kann. Und Morris verschafft Bannon einen Hollywood-Abgang. Am Ende wird der eigens für das Interview errichtete Hangar angebrannt und Bannon geht als einsamer Held über die leere Rollbahn. Ein erhellender Dokumentarfilm ist das wirklich nicht.

Andrea Dittgen

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