Der Ruf und die Tolle: Der vergessene Trump-Spielfilm von 2005

Ob Donald Trump, der heute als 45. US-Präsident vereidigt wird, sich wohl noch an den Spielfilm über ihn aus dem Jahr 2005 erinnert? „Donalds Trumps große Show“ heißt das Werk, das auf DVD heute noch erhältlich ist und den schönen Originaltitel „Trump unauthorized“ trägt. Damals dachte Trump schon dran, Präsident zu werden, zumindest sagt er das in dem gar nicht mal so fiktiv erscheinen Film, den die deutsche (!) Filmfonds-Firma Apollo Media mitproduzierte – in der Hoffnung, ihn weltweit zu verkaufen. Nun, ein großes Geschäft wurde der Film (Regie: John David Coles, seit 2015 Regisseur und Produzent der Fernsehserie „House of Cards“) damals nicht, er ist ein typisches, etwas trockenes Fernsehspiel-Porträt, aber alles, was Trump ausmacht, ist schon drin. Weshalb der Film dann doch empfehlenswert ist.

Die Story beginnt Mitte der 70er Jahre, als Donald Trump, der Sohn des Immobilienmagnaten und Multimillionärs Fred Trump, beschließt, auch mit Immobilien zu handeln und die Firma des Vaters zu übernehmen. Der gibt ihm einen Rat: „Kill, kill, kill“ in Bezug auf alle, die ihm im Weg stehen. Natürlich lässt Trump niemanden umbringen, aber er denunziert seine Gegner genüsslich in der Öffentlichkeit, setzt sich selbst ins rechte Licht, als sei er der Größte und bekommt die Aufmerksamkeit der Medien. Das schafft er, weil er einen guten Berater und Anwalt hat.  Trump hat eine große Klappe, hochfliegende Pläne und den richtigen Riecher, zu welchen Stadtoberen man Kontakte knüpft und wie man sie bei Laune hält. Denn so einfach war es gar nicht, den Trump-Tower zu bauen, wenn man dafür eigentlich kein Geld hat.

Zur Pressekonferenz der Ankündigung des Trump-Tower-Baus kommt nicht mal eine Handvoll Journalisten. Aber das steckt Trump weg. Dafür war es umso einfacher für Trump, das sexy Model roten Kleid namens Ivana für sich zu gewinnen. Kaum war sie seine Frau, tat sie das, was Trump auch tut, sie nahm sich, was sie wollte: in diesem Fall hießt das auch, die komplette Inneneinrichtung de Trump-Towers zu übernehmen, obwohl sie nun alles andere als eine Innenarchitektin war. Trump fügte sich ohne Murren – es ist vielleicht einer der ungewöhnlichsten Momente dieser Biografie, in der es immer wieder um drei Dinge geht: Trumps Ruf, die Frauen und die Haartolle. So schwungvoll, wie Hauptdarsteller Justin Louis den Kopf dreht, damit die Tolle swingt, kriegt das selbst der echte Trump nicht hin.

In komprimierter Form kann man erleben, wie Trump so egoistisch, unberechenbar und auch so erfolgreich wurde, wie knallhart er mit seinem älteren Bruder Fred umging, der zeitweilig für ihn arbeite, aber entnervt aufgab (wovon man vorher nichts wusste, weil Trump darüber nicht spricht), und auch mit dem New Yorker Bürgermeister Ed Koch, der offenbar Trump aus der Hand fraß, was bisher auch kaum bekannt war.

Schön ist auch, zu sehen, dass Trump im Prinzip keine wirklichen Interessen hat: weder Geld, noch seine Familie, noch seine Immobilien sind etwas, für das er kämpft. Wichtig ist ihm allein sein Ruf, seine Präsenz in der Öffentlichkeit – und natürlich, dass er gut dasteht. Wer nicht uneingeschränkt für ihn ist, den lässt er fallen und denunziert ihn. Das der Narziss so deutlich hervorgezeigt wird, erscheint schon ungewöhnlich. Dass Trump schon damals ohne Skrupel selbst jene Fake News produziert, gegen die er heute ankämpft (In dem Film sagte er, Lady Diana und Price Charles hätten Interesse am Trump Power, was frei erfunden war) erstaunt ebenfalls. Denn natürlich wusste er von dem Film und setzt seine Anwälte drauf an, einige Änderungen zu erwirken.

Doch die galten nicht die durchaus für Trump unfreundlichen Dinge. Die meisten Auflagen, die er machte, betrafen seine Haartolle! Der Film endet im Jahr 2003, als Trump das Angebot des Fernsehsenders NBC für die Show „The Apprentice“ (Der Lehrling) bekommt, in der er Leute feuern soll. „Ich entlasse aber nicht gerne Leute“, sagt Trump. „Aber die Show hat doch nichts mit der Wirklichkeit zu tun“, sagt der Fernsehmann. Da lacht Trump und willigt ein, das ist seine Welt. Nun, da er US-Präsident ist, tritt er in der Show  zwar nicht mehr auf, aber er bleibt weiterhin Produzent der Show, die inzwischen „Celebrity Apprentice“ heißt, getreu dem Motto: immer die Fäden in der Hand behalten.

Andrea Dittgen

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