Der Kultur-Arbeiter aus Afrika

 

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Med Hondo stellt in Bologna drei seiner Filme vor. Foto: Dittgen

Med Hondo stellt in Bologna drei seiner Filme vor. Foto: Dittgen

st weinte er und sagte, wie sehr er gerührt ist (dass so viele Leute im Saal sind), am Ende wurde er ziemlich forsch: „Alle meine Filme sind frei entstanden, niemand hat mir reingeredet. Diese Freiheit habe ich mit meiner Haut bezahlt. Als Arbeiter. Ich bin ein Kultur-Arbeiter. Ich drehe Filme nicht, um das Volk zu unterhalten, sondern um mit dem Volk zu leben und dem Volk zu sprechen. Und zwar mit meinem Volk, dem afrikanischen Volk. Ich mache kein Kino als Selbstzweck. Denn das Kino gehört denen, die das Geld haben. Die Industrie und die Produzenten, die sagen: ,Ich bin der Final Cut deiner Gedanken.‘ Mein ganzes Leben lang habe ich für die Freiheit gekämpft.“

Es geht um Med Hondo (81). Der Regisseur wurde 1936 im französisch besetzten Algerien als Sohn einer mauretanischen Mutter und eines senegalesischen Vater geboren und kam mit 25 Jahren nach Frankreich, wo er zuerst mit Hilfsjobs durchschlug. Er war einer der ersten Afrikaner, die in Paris Filme drehten. In „Soleil Ô“ (Oh Sonne, 1970), Hondos Debütfilm und dem ersten von drei Hondo-Filmen, den das Festival von Bologna zeigt, attackiert er die französische Regierung, die nichts für die Einwanderer tut. In diesem Fall für die Afrikaner (aus den französischen Kolonien), die Mühe haben, in Frankreich Arbeit zu finden. Selbst diejenigen, den es offenbar ein bisschen besser geht – manche sind bei den Treffen, die Hondo inszeniert, gut gekleidet – bietet man als Wohnraum nur heruntergekommene Häuser an, die man aufpäppeln will zu Schlafräumen von vier Quadratmetern für vier bis sechs Personen. „Das ist Sklaverei“, sagt einer der Protagonisten. Hondos Film ist so sprung- und episodenhaft wie viele Filme aus den Endsechzigern/Anfangssiebzigern, das passt zur Zeit. Er zeigt ein Paar auf dem Motorrad: ein Afrikaner und eine blonde Französin, der alle entrüstet nachschauen, um die Vorurteile auf den Punkt zu bringen. Nicht alles ist für Europäer auf Anhieb verständlich (für sie dreht Hondo seine Filme ja nicht, wie er sagt), aber es gibt auch pittoreske und harmonische Szenen.

Die Hauptarsteller aus "Soleil O". Foto: ICR

Die Hauptarsteller aus „Soleil O“. Foto: ICR

Das Erschreckende jedoch bleibt: die Parallelen zur Behandlung von Einwanderern und Flüchtlingen in Europa heute, über 40 Jahre später. Hondos Film endet mit dem Aufruf zur Revolte. „Soleil Ô“ heißt ein Song, in dem die Farbigen in Dahomey (heute: Benin) von den Schmerzen singen, die sie als Sklaven ertragen müssen. „Soleil Ô“ kam im Gegensatz zu späteren Filmen Hondos („Der Kampf der schwarzen Königin“ 1986) in Deutschland nicht ins Kino. Das könnte sich nun ändern, denn er ist einer von 50 Filmen aus Afrika, die der Regisseur Martin Scorsese mit seiner Stiftung The Film Foundation restauriert und zugänglich macht.

Andrea Dittgen

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