Das Tennis-Doppel

Zwei neue Tennis-Spielfilme auf einmal hat das Festival von Toronto programmiert. So etwas gab es noch nie. Nicht nur, weil bislang keine Spielfilme nach historischen Tennis-Ereignissen fürs Kino gedreht wurden, sondern auch, weil beide Filme so mitreißend sind. Einmal Frauen, einmal Männer, einmal 1973, einmal 1980. Die Fans wissen sofort, worum es geht.

"Borg McEnroe" mit Shia LaBeouf (links) als John McEnroe und Sverrir Gudnason als Björn Borg. Foto: Courtesy of TIFF

„Borg McEnroe“ mit Shia LaBeouf (links) als John McEnroe und Sverrir Gudnason als Björn Borg. Foto: Courtesy of TIFF

Zuerst die Männer, weil der Film schon zur Eröffnung des Festivals lief: „Borg McEnroe“ von (dem Dänen) Janus Metz ist vor allem ein schwedisch-nordsicher Film was heißt, dass der Fokus auf dem Schweden Björn Borg (Sverrir Gudnason, der ihm sehr ähnlich sieht) liegt. Kurz vor Wimbledon 1980 war John McEnroe (Hollywoodstar Shia LaBeouf), der junge wilde Amerikaner, das große Talent, dem man es zutraute, Borg den fünften Wimbledonsieg zu nehmen. Die Rivalität der beiden, oder vielmehr die unterschiedlichen Charaktere – der gefühlskalte Eisblock und der emotionale Rebell – werden sehr schön rausgearbeitet. Der Film springt zwischen den beiden Lagern hin und her, zeigt die Spieler in ihrem Umfeld – das heißt, sie sind meistens allein. Das ist das einzige, was sie eint.  Sie haben zwar ihre Berater und Borg auch seine Freundin, die er im Begriff ist zu heiraten, aber Freunde haben sie eigentlich nicht. Also geht es um die Selbstzweifel, die der Champion hat, denn er merkt, dass er zurzeit nicht in Form ist – und um die hohen Erwartungen, mit denen der Nachwuchsmann kämpft, der es hasst, sich an irgendwelche strengen wie die von Wimbledon zu halten und schon mal einfach so allein durch die Stadt und die Kneipen streift.

Bis dahin ist alles europäisches Kunstkino. Der Film kippt erst – er wird schneller, auch die Schnittwechsel zu den beiden Hauptfiguren, wenn es zu dem Finale Borg gegen McEnroe. Wer nicht mehr weiß, wie die diese tolle Schlacht ausgegangen kann, für den wird es spannend. In Schüben, denn immer wieder zeigen kurze Rückblicke, was die beiden Helden so denken. Doch so typisch heldenhaft wie ein Hollywood-Sportfilm sind die zwei Stunden mit „Borg McEnroe“ nicht – genau das macht den Film auch für Nicht-Tennisfans so interessant. Deutschlandstart: 19. Oktober.

Wer stand 1980 in Wimbledon bei den Frauen im Finale? Um diese beiden geht es nicht. Auch nicht um Wimbledon, sondern um die Frau, die es1980 nur noch bis ins Viertelfinale schaffte, aber wohl die historisch wichtigstes Frau für das Tennis war, und um ihr epochales Tennismatsch, die „Battle of the Sexes“, der Kampf der Geschlechter, von 1973. So heißt auch der Film von Valerie Faris und Jonathan Dayton, ein Hollywoodfilm. Es geht um Billie Jean King (Emma Stone). Sie setzte es durch, dass die Frauen im Tennis nicht mehr nur 30 Prozent der Gage im Vergleich zu den Männern bekamen, sondern auch 100 Prozent. Damals argumentierten die Tennis-Turnierveranstalter (allesamt Männer natürlich), dass nur ein Drittel so viele Zuschauer zu den Spielen der Frauen kämen. Die Amerikanerin King – wieder  so ein rebellischer US-Tennis-Typ wie später McEnroe – damals die Nummer eins, boykottierte die von den Männern organisierten Turnier, stellte eine Tournee mit allen US-Tennis-Spitzenspielerinnen auf die Beine, die hohe Wellen schlug.

"Battle of the Sexes". Vor dem Match geben sich Billie Jean King (Emma Stone) und Bobby Riggs (Steve Carrell) siegessicher. Foto: Courtesy of TIFF

„Battle of the Sexes“: Vor dem Match geben sich Billie Jean King (Emma Stone) und Bobby Riggs (Steve Carrell) siegessicher. Foto: Courtesy of TIFF

Nun argumentierten die Männer, dass die Frauen längst nicht so gut Tennis spielen. So kam es zur „Battle oft he Sexus“ dem Spiel Mann gegen Frau.  Das bekannteste Spiel fand am 20. September 1973 in Houston statt: Der  55-jährigen Bobby Riggs (Steve Carrell), der vor 34 Jahren Wimbledon gewonnen hatte und als schlimmer Frauen-gehören-an-den-Herd-Vertreter galt, forderte die damals 29-jährige Billie Jean King heraus. Sie gewann das Match glatt in drei Sätzen und wird seitdem als Ikone des Frauentennis gefeiert. Doch diese Rivalität ist nur die eine Geschichte des Films, die andere ist das Porträt von Billie Jean King. Die verheiratete Frau wurde im Vorfeld dieses Kampfes unfreiwillig als lesbisch geoutet, was damals im prüden Amerika wahrscheinlich die größere Zumutung war, zumindest kommt es so in diesem Film rüber. Billie Jean stürzt in eine psychologische Krise und verliert ein paar Spiele und sogar ihren Rang als Nummer 1. Also wieder eine gebrochene – Heldenfigur wie Borg in anderen Film. Und wie Bord schafft es dann, sich im entscheidenden Match wieder zu großer Form aufzulaufen. Hier wird mehr diskutiert als in „Bord McEnroe“ und weniger Tennis gespielt, aber weniger spannend ist er nicht. Dafür viel humorvoller, denn Emma Stone und Steve Carrell, die beiden  Top-Schauspieler, liefern sich auch wunderschöne Duelle mit Worten und Gesten jenseits des Platzes (Deutschlandstart: 23. November).

Das Traurige daran: Auch heute noch bekommen Männer meist eine 20 Prozent höhere Gage als Frauen – nicht mehr im Tennis, aber in Hollywood-Filmen, wie die letztjährige Oscar-Gewinnerin Emma Stone erklärte.

Andrea Dittgen

 

Dieser Beitrag wurde am von in Toronto 2017 veröffentlicht. Schlagworte: .
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Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

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