Kategorie-Archiv: Berlinale 2018

sakamoto

Das Überraschungskonzert

Die Vorfreude war groß. Vor dem Gespräch mit Ryūichi Sakamoto, dem Komponisten der für „Der letzte Kaiser“ (1987) von Bernardo Bertolucci den Oscar bekam, sieht man den großen Flügel auf der Bühne beim Berlinale-Talents-Publikumsgespräch. Und einen Aufbau mit allerlei Elektronik. Aha, es gibt nicht nur Filmausschnitte, sondern der Meister wird sich auch an den Flügel setzen und demonstrieren, was er da komponiert hat. Denkt man und freut sich. Doch dann kommt es noch viel besser. Weiterlesen

Der US-Schauspieler Willem Dafoe freut sich über seinen Ehrenbären für sein Lebenswerk, beteuert aber, dass er noch viele Filme drehen will. Foto: Richard Hübner/Berlinale 2018

„Du willst einen Regisseur, der gut ist“

Er freute sich und streckte den Ehrenbären fürs Lebenswerk hoch in die Luft. Und er lachte viel: Willem Dafoe. Wie geht der 62-Jährige in die Rollen hinein? „Für jeden Rolle und jeden Film muss man das tun, was verlangt wird und sagen: ich bin diese Person im Film. Man muss ich selbst hintenanstellen. Manchmal komme ich mehr wie ein Tänzer oder ein Athlet vor denn als ein Schauspieler. Denn zum Schauspielen gehört so viel: Aber all die Sachen, an die Schauspieler oft denken: die Psychologie und wie man einen Charakter anlegt – daran denke ich nie. Das ist nichts,  was mich an einer Rolle anzieht, alles muss auf natürlichem Weg kommen.“

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US-Regisseur Gus Van Sant erzählt von seiner Jugend, seinem Debütfilm, der 1986 bei der Berlinale lief, und seinem neuen Film. Foto: Amazon Content Series LLC/Scott Patrick Green

In der Jugend stecken gelieben

Als Teenager zog er oft um, weil sein Vater Handlungsreisender war, bis die Familie in einer Ferienstadt für New Yorker sesshaft wurde, einer Kleinstadt mit 12.000 Einwohnern: Es geht um Gus Van Sant (65). Im 90-minütigen Publikumsgespräch bei der Berlinale erzählte der US-Regisseur, der vor allem Filme mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen dreht, erstmals länger über seine eigene Jugend. Weiterlesen

Kristine de Loup spielte das Kübelkind in den Kurzfilmen "Geschichten vom Kübelkind" von Edgar Reitz und Ula Stöckl. Foto: Forum

Kübelkind im Kneipen-Krematorium

Kneipenkino: Die Zuschauer sitzen im „Silent Green“ im Wedding, einem ehemaligen Krematorium (an der Wand sind noch die Nischen für die Urnen), das heute ein Kulturzentrum ist. Sie sitzen an Tischen, so wie 1971 in München, als Edgar Reitz und Ula Stöckl ihre Kurzfilme „Geschichten vom Kübelkind“ jeden Tag ab 23 Uhr vorführten. Sie sind zwei bis 26 Minuten lang. Die Zuschauer bekamen eine Menükarte mit den Folgen und dem Inhalt und durften sich ein paar aussuchen, die wurden dann gespielt. Weiterlesen

„Ich dachte, wir könnten sitzen“

Carolin Genreith hat ihr Baby dabei, auch mit auf der Bühne, als ihr Film „Happy“ beim Preis der deutschen Filmkritik als beste Dokumentation geehrt wird. Die Moderatorin flüstert sogar, um den schlummernden Nachwuchs nicht aufzuwecken. Genreith dagegen spricht laut, die Filmemacherin aus der Eifel ist es ja bereits gewohnt, ihre Familie mit zu inszenieren: In „Die mit dem Bauch tanzen“ war 2013 das Tanzfieber der Mutter Thema, in „Happy“ geht es um den Vater, der sich mit Mitte 60 in eine Thailänderin verliebt hat. Weiterlesen

Ins Rampenlicht

Sie bleiben oft im Hintergrund, ihre Namen sind selten bekannt, selbst beim Deutschen Fernsehpreis sind sie jüngst ausgeladen worden: die Drehbuchautoren. Während der Berlinale aber widmet ihnen sogar Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Zeit: Beim Empfang der Drehbuchautoren verleiht sie eine goldene Lola – an ein noch nicht verfilmtes Skript. Weiterlesen

"11 x 14": Der erste Film von James Benning von 177 kommt morgen in der reataurierten Fassung auf DVD heraus bei der Edition filmmuseum. Foto: Forum der Berlinale

Der Mann, der die Zeit verändert

„Eine ganze Weile lang passiert nichts. Dann passiert etwas. Und dann noch etwas“. So kündigte der 75-jährige Amerikaner James Benning seinen Film „L. Cohen“ an. Leonard Cohen natürlich. Doch man sieht keinen Cohen, sondern nur ein Stück ödes Feld, mit einem gelben Kanister, an der rechten Seite stehen zwei Strommasten, ein Haus, ein Pflug ohne Zugmaschine, im Hintergrund in der Ferne einen schneebedeckten Berg. Es ist Tag. Das Bild bewegt sich 20 Minuten lang nicht. Weiterlesen

Berlinalepalats

Körper und Seele

„Es hat sich eigentlich nichts verändert“, hat Berlinale-Chef Dieter Kosslick auf die Frage geantwortet, wie er sich denn so fühle bei seinem vorletzten Festival. Und tatsächlich: Auch die Rituale der Journalisten vor Ort ähneln sich im 18. Jahr. Akkreditierungskärtchen abholen, Zeitplan abgleichen, Tasche abholen – rot oder grau steht diesmal zur Auswahl. Weiterlesen