Kategorie-Archiv: Allgemein

Winding Refn bietet Gratisfilme an

Der Auftritt des US-Dänen Nicolas Winding Refn, kurz NWR, im Kino des Institut Lumière, ist spektakulär: „Heute, am 17. Oktober 2017, erkläre ich das Kino für tot. Nun brauchen wir zehn Schweige-Sekunden. Ich starte mein Iphone und möchte, dass Sie sich zehn Sekunden an das Kino erinnern … die zehn Sekunden sind um. Nun erkläre ich das Kino für wiedergeboren. Applaudieren sie bitte. Weiterlesen

„Dark“, die erste deutsche Netflix-Serie

Der Ort Winden aus der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ ist nicht das Winden in der Südpfalz! Leider. Oder Glücklicherweise.  Er hätte die Pfalz sonst in die Schlagzeilen gebracht: als Horrorort mit Kernkraftwerk, dunklen Wäldern und gleich zwei verschwundenen Kindern. „Dark“ hatte am Samstagabend beim Festival von Toronto Premiere. Natürlich nicht die  ganze Serie – die im Winter bei Netflix herauskommt – sondern wie bei Filmfestivals inzwischen üblich, die ersten zwei Folgen, zweimal 45 Minuten. Der Saal war voll, rausgerannt sind nur drei Zuschauer, die Stimmung war gut und hinterher standen der (Schweizer) Regisseur Boran bo Odar („Who Am I“), seine Drehbuchautorin Jantje Friese und Hauptdarsteller Louis Hofmann  den Zuschauern Rede und Antwort.

„Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft  ist nur eine Illusion, ein Satz von Albert Einstein,   steht als Motto am Anfang nach den Vorspann mit Fotos aus der Stadt, die sich wein Rohrschachtest auffalten. In der Kleinstadt Winden ist ein Kind verschwunden. Das ist Gesprächsthema im Ort. Selbst bei den Teenagern, die schon mal gerne im Wald raumtreiben. Sie stehen im Mittelpunkt, vor allem Jonas, der nach zwei Monaten Abstinenz (er war in einer Anstalt in Behandlung, weil er immer vom Selbstmord seines Vaters träumt, offiziell beim Schüleraustausch in Frankreich) wieder in die Stadt zurückkommt und genauso wenig Bescheid weiß wie die Zuschauer,  also ein gute Identifikationsfigur ist. Neben den üblichen Eifersüchteleien, dem Kräftemessen der Jungs und den ersten Liebesaffären sind die neugierig und treiben sich im Wald rum. Dabei verschwindet das nächste Kind, denn der kleine Bruder, auf den einer Teenager aufpassen soll, ist plötzlich auch verschwunden. Und der Jammer in der Familie groß. Die Polizistin des Orts ist ratlos, alle anderen auch, bis die Teenager im Wald eine Tür finden, die nur zum KKW führen kann. Doch trotz Durchsuchungsbefehl lassen die Leute vom KKW die Polizei nicht rein – obwohl die Schließung des KKWs bereits beschlossen ist und in den nächsten Jahren erfolgten soll. Und dann ist da noch der Umschlag, den Jonas Vater bei seinem Selbstmord hinterließ – auf dem steht: nicht vor dem 4. November um 22.13 Uhr öffnen. Am Ende der zweiten Folge ist es soweit, der Umschlag wird geöffnet, aber was in dem Brief steht, erfährt man nicht.

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Fotzo: Courtesy of TIFF

Jonas (Louis Hofmann) auf verbotenen Pfaden im Wald. Foto: Courtesy of TIFF

Soweit die ersten zwei Folgen.  Die sind so angelegt, wir bei Serien üblich. Viele Figuren werden eingeführt – es sind über 70, wie Friese verriet – verschiedene Handlungsstränge beginnen und so genau weiß man noch nicht, was Sache. Was man jedoch nach zwei Folgen schon sagen kann: Die Figuren sind schon typisch deutsch, aber die Atmosphäre ist es eher nicht. Trotz sehr deutsch aussehender Schule und Straßen. Da gibt es dunkle Wälder und geheimnisvolle Häuser. Doch gedreht wurde nicht irgendwo auf dem Land, sondern in Berlin, wie der Produzent verriet. Doch höchsten ein, zwei Straßenzüge und eine stattliches Haus sehen aus wie Berlin, der Rest könnte überall spielen. Das Dark (dunkel) aus dem Titel ist wörtlich zu nehmen, viele Szenen spielen im Dunkeln, das Schaurig-Mysteriöse, das sich schon nach zehn Minuten einstellt, wird unterstrichen durch die oft ins Ohr schneidende Musik (von Ben Frost). Die ersten zwei Folgen sind spannend, sie machen Lust auf mehr, denn geschickt wird angedeutet, dass mehr als nur eine der Personen etwas zu verbergen hat.

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

In Toronto (von links). Drehbuchautorin Jantje Friese, Regisseur Boran bo Odar und Hauptdarsteller Louis Hofmann. Foto: Dittgen

Was beim Publikumsgespräch herauskam: Odar und Freise bekannten sich dazu, Kinder der 80er zu ein und Serien wie „Twin Peaks“ zu mögen. Weshalb eine der drei Ebenen von „Dark“ ins Jahr 1986 zurückgeht, eine weite ins Jahr 1953. Und es soll ein Mix sein aus, aus Thriller, Mystik über Übernatürlichen, verrät Odar. 10 Folgen hat die erste Staffel, die natürlich nicht nur für den deutschen Markt gedreht ist, sondern international vermarktet wird. Netflix war vor zwei Jahren auf Odar zugekommen und wollte eine Serie im Stil von Odars Kinofilm „Who Am I“ (2014, sie hatte auch in Toronot Premiere). Doch Odar wollte sich nicht wiederholen und erinnerte sich an die Geschichte von „Dark“, die schon seit fünf Jahren in der Schublade lag. Gedreht wurde 150 Tage innerhalb von sechs Monaten.

Andrea Dittgen

 

Überraschungsgast Julia Jentsch

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Julia Jentsch und Regisseur Florian Hoffmeister. Foto: ütz

Von Susanne Schütz

Stars kann man auf der Ludwigshafener Parkinsel beim 13. Festival des deutschen Films auch mal unverhofft begegnen. Zum Beispiel Julia Jentsch. Die Schauspielerin hatte überraschend doch Zeit, um ihren Film „Die Habenichtse“ vorzustellen, in dem sie ungewohnt sanft und weich eine Grafikerin spielt, die sich etwas zu schnell in eine Ehe stürzt und ihrem Mann nach London folgt, wo sie nicht richtig Fuß fassen kann. Weiterlesen

Der grausame Junge

Die „Drei Zinnen“ aus dem Titel des zweiten Films von Jan Zabeil könnten auch für die drei Personen stehen, um die es in diesem Kammerspiel. Aaron, seine Freundin Lea und deren achtjähriger Sohn Tristan verbringen die Ferien in einer einsamen Berghütte in den Dolomiten. Sie sind eine Patchwork-Familie, auch akustisch: Alle drei sprechen Deutsch. Französisch und Englisch, wie es gerade passt. Weiterlesen

69 Jahre, wild und sexy

In dem schwarzen trägerlosen Bikini macht sie eine tolle Figur. Dazu der verrückte Hut. Wie früher. Sie singt und tanzt wie vor 30 Jahren. Grace Jones, die farbige Stilikone mit der Backsteinfrisur, den schrillen Kostüme, das Wesen zwischen Mann und Frau ist wieder da. Sie ist 69., wild und sexy. Noch nie hat eine Frau in diesem Alter auf der Bühne so toll ausgesehen. Wo war Grace nur in all den Jahren? Weiterlesen

Die Hauptstelle der öffentlichen Bücherei in New York.  Foto: Courtesy of TIFF

Buch mach kluch

Dieser hübsche deutsche Werbespruch aus den 80ern warb für Bücher, für Buchhandlungen, für Bibliotheken, für alles, was mit Lesen zu tun hat. Dass der Begriff heute viel mehr umfasst als das Buch im Regal, zeigt der Amerikaner Frederick Wiseman mit seiner 197-Minuten-Doku „Ex Libris – The New York Public Library”. Wiseman ist 87, er ist einer der besten Dokumentarfilmer der Welt, denn er sorgt dafür, dass man in jedem seiner Filme klüger wird. Weiterlesen

Ein Pfälzer auf dem roten Teppich

Von Susanne Schütz

Zunächst hieß es, er könnte gar nicht kommen. Dreharbeiten. Doch die Chance, zur Premiere von „Der Kriminalist: Die offene Tür“ zum Ludwigshafener Festival des deutschen Films zu kommen, in der er seine erste Hauptrolle spielt, hat sich Leonard Kunz dann doch nicht entgehen lassen. „Vor zwei Jahren war ich mit meinen Eltern noch als Besucher hier, ich hätte nie gedacht, dass ich nun oben auf der Bühne stehen werde“, sagt der Schauspieler, der in Mannheim geboren ist, aber im pfälzischen Freinsheim aufgewachsen ist und mittlerweile in Berlin lebt, über den Parkinselauftritt am leider regnerisch-kühlen ersten Festivalsamstagabend. Weiterlesen

Fürsorgliche Gäste

„Dass die hier nichts verlangen, da könnten sie doch ordentlich was verdienen“, sagt eine Besucherin des Ludwigshafener Festivals des deutschen Films kopfschüttelnd und nahezu empört beim Händeabtrocknen in den Toilettencontainern. Sie klingt eher entrüstet, weil tatsächlich niemand 50 Cent von ihr möchte. Nicht, weil sie eine Gebühr happig finden würde: Viele Parkinselgäste empfinden das Filmfestival fürsorglich als ihr eigenes und scheinen sich nahezu verantwortlich zu fühlen für seinen Fortbestand, neue Finanzierungsideen inklusive. Weiterlesen

Die Zauberin

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Haben sichtlich Spaß: Filmkritiker und Programmberater Josef Schnelle, Martina Gedeck und Festivalleiter Michael Kötz (von links). Foto: ütz

Von Susanne Schütz

Doch, das hat schon überrascht: Martina Gedeck, der wohl größte Star des diesjährigen Festivals des deutschen Films auf der Ludwigshafener Parkinsel, ist unglaublich freundlich. Keine bisherige Preisträgerin, kein Preisträger ohnehin, hat sich so sehr eingelassen auf diese Auszeichnung. Sogar eine eigene Rede hat sie vorbereitet. Und die war, wie Programmberater Josef Schnelle später beim Bühnengespräch Festivalchef Michael Kötz unter die Nase rieb, „schöner als deine“. Worauf Martina Gedeck doch glatt abwehrte und einwarf, dass es doch hier um keinen Wettbewerb gehe. Das ist genau das Schöne an ihr: Die 55-Jährige drängt sich nicht in den Vordergrund. Weiterlesen

Starke Frauen zum Festivalauftakt

Beim Filmgespräch auf der Parkinsel

Beim Filmgespräch auf der Parkinsel: Annekathrin Bürger, Ulrike Krumbiegel, Regisseurin Alexandra Sell und Eisläuferin Maria Rogozina (von links).

Von Susanne Schütz

„Die Freude der Menschen, die Schauspieler geworden sind, ist, dass man Dinge tun darf, die man sonst nicht tut – schießen zum Beispiel. Man springt rein in eine Rolle hinein und geht dann abends aber wieder nach Hause“, sagt Schauspielerin Ulrike Krumbiegel beim ersten Filmgespräch auf der Ludwigshafener Parkinsel: Ein Zuschauer hatte sich gewundert, dass die 55-Jährige „in echt“ so ganz anders wirkt als im gerade gesehenen Film „Die Anfängerin“. Weiterlesen