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Andrea Dittgen

Über Andrea Dittgen

RHEINPFALZ-Redakteurin Andrea Dittgen schaut Filme . Seit 1981 hat sie im Kino etwa 20.000 Filme gesehen. Und sie schreibt darüber (seit 1990). In der RHEINPFALZ in Gestalt von Kino- und DVD-Kritiken, jetzt auch in Form eines Blogs. Außerdem ist sie für uns in Cannes, Toronto, Berlin und bei anderen Film-Festivals dabei.

Berlinale-Jury-Präsident Tom Tykwer. Foto: Joachim Gern/Berlinale

Tom Tykwers Harvey-Weinstein-Geschichte

Harvey Weinstein. Die Geschichte, die Berlinale-Jury-Präsident Tom Tykwer mit ihm erlebte, liegt ziemlich genau 20 Jahre zurück. Mit Sex hat sie nichts zu tun. Mit Anmache schon. Es war im September 1998, beim Filmfestival von Toronto. Die US-Verleiher überschlugen sich förmlich, um „Lola rennt“ zu bekommen, erzählte Tom Tykwer am Sonntag beim Publikumsgespräch der „Berlinale Talents“:

„Damals kaufte man noch fertige Filme, nachdem man sie gesehen hatte, nicht schon nach dem Drehbuch wie heute. Die Filme waren nackt, niemand kannte sie, alles hatte eine unglaubliche Reinheit. Die Einkäufer waren hysterisch, sie verfolgten uns im Hotel. Wenn man da die Hände schüttelte, war das schon ein Vertrag. Miramax, die Weinstein-Brüder, kamen nach Toronto, und wenn sie einen Film kauften, sagten die Regisseure: „Danke, Meister“. Sie zahlten viel, deshalb war es interessant. Die Miramax-Leute trafen Stefan Arndt (der den Film für X-Filme mitproduzierte) in Toronto, aber er sagte, dass sie auch andere Käufer treffen.

Eine Situation wie im „Paten“

Dann kam ich nach Toronto, wir trafen andere Leute, und fanden jemanden, der uns sympathisch war, die Leute von Sony Classics, Michael Barker. Und wir sagten zu Miramax: Wir haben an jemand anderes verkauft. Dann sagten sie: „Oh je, Harvey kommt, du musst ihn treffen und ihm den Film verkaufen.“ Also trafen wir uns. Es ist eine dieser Geschichten, die du nie vergisst.

Die Präsidentensuite. Als ich in den Raum kam, saß er schon da im Sessel. „Wie kannst du es wagen, den Film nicht uns zu geben!“ Er war aufgeregt und wütend. Dann wurde er wirklich unfreundlich. Es war eine Situation wie im „Paten“ und er war der Pate. „Du beleidigst meine Familie“, sagte Harvey. Die Luft wurde dünner, man hörte Schritte, schwere Schritte. Es war Harvey, der hinter uns her rannte: „Komm zurück, wir müssen reden!“ (er imitiert Harveys Stimme). Und dann: „Wir müssen eine Lösung finden“.

Ein First-Look-Deal zur Beschwichtigung

Die Lösung war: Weil sie „Lola rennt“ nicht bekommen haben, wollten sie einen anderen Film. „Können wir einen First-Look-Deal machen?“, fragte Harvey. Das heißt, er schickt uns Drehbücher und wenn uns eins gefällt, können wir den Film machen. Das klang gut. Das erste Drehbuch war „Highlander 4“ (Lachen im Saal). Das wollten wir natürlich nicht machen. Dann kamen andere Drehbücher, oft gab es darin einen Moment, in dem eine Frau rennt (wieder Lachen im Saal). Ganz absurde Filme haben die uns angeboten. Dann kam das Drehbuch von Krzysztof Kieslowski, es war „Heaven“. Es war toll. Kieslowski war gerade ein Jahr tot, Co-Produzenten waren Sydney Pollack und Anthony Minghella.“

So kam es, dass Harvey Weinstein Tykwers Hollywood-Film „Heaven“ produzierte. Tom Tykwer erzählte es am Sonntag beim Publikumsgespräch der „Berlinale Talents“ – auf Englisch natürlich (die ganze Sektion kennt nur Englisch), nachdem man zuvor eine Rarität gesehen hatte: einen Ausschnitt aus „Lola rennt“, englisch synchronisiert, sehr bizarr. Aber passend zum Titel des 90-Minuten-Gesprächs: „Secrets“ – Geheimnisse“. Man kann diese Reihe nur empfehlen.

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"11 x 14": Der erste Film von James Benning von 177 kommt morgen in der reataurierten Fassung auf DVD heraus bei der Edition filmmuseum. Foto: Forum der Berlinale

Der Mann, der die Zeit verändert

„Eine ganze Weile lang passiert nichts. Dann passiert etwas. Und dann noch etwas“. So kündigte der 75-jährige Amerikaner James Benning seinen Film „L. Cohen“ an. Leonard Cohen natürlich. Doch man sieht keinen Cohen, sondern nur ein Stück ödes Feld, mit einem gelben Kanister, an der rechten Seite stehen zwei Strommasten, ein Haus, ein Pflug ohne Zugmaschine, im Hintergrund in der Ferne einen schneebedeckten Berg. Es ist Tag. Das Bild bewegt sich 20 Minuten lang nicht. Weiterlesen

berlinale

Denken die an mich, wenn sie Filme machen?

„Wenn ich an das Publikum denke, dann stelle ich es mir wie eine jüngere Version von mir vor, meine große Zeit als Cinéast, als ich etwa 14 bis 25 Jahre alt war.“ Das sagte der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho (49, dessen Film „Aquarius“ 2016 in Cannes im Wettbewerb war).

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Charles Aznavour (93) beim Filmfestival von Lyon. Foto: Festival Lumière

Charles Aznavour: Lernen ist das Wichtigste

Er ist 93 und schreibt gerade eifrig an Songs für das neue Album, doch er ist auch Schauspieler, 80 Filme hat er zwischen 1936 und 2013 gedreht. Im August bekam er seinen Stern auf dem Hollywood-Boulevard. Jetzt ist er 93: Charles Aznavour. Das Festival von Lyon widmete ihm eine Hommage und lud ihm zu einem einstündigen Publikumsgespräch ein – als Überraschungsgast. Weiterlesen

Winding Refn bietet Gratisfilme an

Der Auftritt des US-Dänen Nicolas Winding Refn, kurz NWR, im Kino des Institut Lumière, ist spektakulär: „Heute, am 17. Oktober 2017, erkläre ich das Kino für tot. Nun brauchen wir zehn Schweige-Sekunden. Ich starte mein Iphone und möchte, dass Sie sich zehn Sekunden an das Kino erinnern … die zehn Sekunden sind um. Nun erkläre ich das Kino für wiedergeboren. Applaudieren sie bitte. Weiterlesen

Das Tennis-Doppel

Zwei neue Tennis-Spielfilme auf einmal hat das Festival von Toronto programmiert. So etwas gab es noch nie. Nicht nur, weil bislang keine Spielfilme nach historischen Tennis-Ereignissen fürs Kino gedreht wurden, sondern auch, weil beide Filme so mitreißend sind. Einmal Frauen, einmal Männer, einmal 1973, einmal 1980. Die Fans wissen sofort, worum es geht. Weiterlesen