Wo liegt Israel?

Gehört Israel eigentlich zu Asien? Diese Frage stellt sich, wer auf die Ehrungen der „Asian Brillant Stars“ schaut, den Versuch, den erfolgreichen „European Shooting Stars“ mit einer eigenen PR-Aktion nachzueifern. Angedockt an die Berlinale sind beide Veranstaltungen, und es stecken jeweils Werbezusammenschlüsse dahinter, die European Film Promotion auf der einen, der Asian Film and Television Promotion-Verband  auf der anderen Seite. Doch während die Europäer sich ganz darauf konzentrieren, Schauspielnachwuchs aus jeweils zehn verschiedenen europäischen Ländern bekannt zu machen, möchten die Asiaten sich schon mit hell strahlenden Filmsternen präsentieren.

Die Preisträger und Juroren der Promo-Aktion "Asian Brillant Stars", ganz links Moritz Bleibtreu, in Jeans: Regisseur Samuel Maoz aus Israel. Siebter von links: der Koreaner Kim Ki-duk, in grünem Samt links neben Maoz: der Leiter des Verbands Asian FIlam and Television Promotion, der die Verleihung ausrichtet. Foto: AFTP

Die Preisträger und Juroren der Promo-Aktion „Asian Brillant Stars“, ganz links Moritz Bleibtreu, in Jeans: Regisseur Samuel Maoz aus Israel. Siebter von links: der Koreaner Kim Ki-duk, in grünem Samt links neben Maoz: der Leiter des Verbands Asian FIlm and Television Promotion, der die Verleihung ausrichtet. Foto: AFTP

Im ersten Jahr, 2017, wurden allerdings nur chinesische Filmemacher ausgezeichnet, woran es Kritik gab. Auch war unklar, wer wen für was genau ehrte. Nun klappt es mit der Außendarstellung etwas besser, auch wenn bei der Präsentation gegenüber der Presse doch so Manches durch Übersetzungsprobleme unterging. Ein Filmmagazin hat demnach 19 Filme vorausgewählt, darunter zwar wieder viel Chinesisches, aber auch je einen Film aus Indien, Thailand, Iran, den Philippinen und drei japanische Stoffe. Eine Jury beriet darüber, die mit Filmschaffenden aus China, Japan, Korea (Regisseur Kim Ki-duk) und Deutschland (Moritz Bleibtreu) besetzt war. Alles Männer.

Geopolitisches Durcheinander auf der Berlinale

Preise gingen nach China – auch an eine Drehbuchautorin, Yan Geling für „Youth“ -, Taiwan, Thailand – und eben Israel: Samuel Maoz wurde für „Foxtrot“, ausgezeichnet bereits in Venedig, als bester Regisseur prämiert. Was die Eingangsfrage zur Definition von „Asien“ aufwirft, die die Moderatorin der Pressepräsentation dem Autorenfilmer auch stellen wollte, dann aber vergaß.

Geopolitische Fragen wirft die Berlinale ohnehin allenthalben auf. Selbst an den Imbiss-Wägen am Potsdamer Platz, neudeutsch „Food Trucks“ genannt. Empanadas aus Uruguay gibt es hier gleich am ersten Stand. Die Köchin hört viel Lob für die leckeren Teigtaschen, aber auch für „den Film aus Uruguay“. Mittlerweile weiß sie, was gemeint ist und klärt auf: „Las Herederas“ spielt in Paraguay, das sei durchaus ein anderes Land. Wobei ihr Angebot dann auch teils eher nach Griechenland denn Uruguay klingt: Fetafüllung? Wer da zweifelt, wird aber sofort in einen Exkurs über die Schafzucht in ihrer Heimat verwickelt. Und beißt einfach rein.

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