Justin Timberlake bei seiner Show in Las Vegas. Courtesy of TIFF

Tanzen mit Justin

„Die Leute kommen zu meinen Konzerten, weil ich die ganze Zeit tanze“, sagte Herbert Grönemeyer, als er im Vorjahr auf der Berliner Waldbühne auftrat. Er war nonstop in Bewegung. Drei Stunden lang. Ganz so lang ist der Film „JT and the Tennessee Kids“ nicht, nur zwei Stunden. Aber Justin Timberlake rennt und tanzt und hüpft genauso. Weiterlesen

Hiam Abbass spielt im Remake von "Blade Runner" mit, das zurzeit gedreht wird. Courtesy of TIFF

Sie verhinderte, dass Spielberg Fehler macht

Sie ist eine  der wenigen Schauspielerinnen (und neuerdings auch als Regisseurin), hübsch und elegant, die in Asien, Europa und Hollywood Erfolg hat: Hiam Abbass, geboren 1960 in Nazareth (Palästina), aufgewachsen in Israel, lebt sie heute vorwiegend in Paris. In diesem Jahr war sie in dem Arthouse-Hit „Birnenkuchen mit Lavendel“ zu sehen. Zurzeit dreht sie das „Blade Runner“-Remake in Kanada, sagt aber nicht, ob sie einen Menschen oder einen Replikanten spielt. Weiterlesen

Am Eingang des KZs Sachsenhausen bei Berlin. Courtesy of TIFF

Die Eitelkeit der KZ-Touristen

Irgendwann besucht wahrscheinlich jeder einmal ein KZ. Oder das, was davon übrig geblieben ist. Eine KZ-Gedenkstätte. Ein Museum. Zum Beispiel Sachsenhausen bei Berlin. Der ukrainische Filmemacher Sergej Lonitza (52) stellte dort seine Kamera auf und filmte die Besucher. 94 Minuten lang, schwarzweiß. Meistens hört man nur Geräusche von knirschenden Schuhen, manchmal auch Wortfetzen in verschiedenen Sprachen. Die Kamera ist starr. Fünf Minuten lang hat man immer denselben Blick. Weiterlesen

Isabelle Huppert ist in Toronto mit gleich drei neuen Filmen. Foto: Mike Windle/Getty Images for TIFF

Isabelle Huppert erlebt ihr Wunder

Würden Sie 17 Euro (25 kanadische Dollar) bezahlen, um einen bekannten Schauspieler 90 Minuten in einem moderierten Gespräch zu erleben? In Toronto ist „In Conversation With…“ eine eigene Festivalreihe mit sieben Terminen, für je 300 bis 400 Zuschauer im Kino. Unnötig zu sagen, dass sie ausverkauft sind. Weiterlesen

Petra Epperlein auf den Spuren ihres Vaters und der Stasi in Chemnitz. Courtesy of TIFF

Karl Marx City und die Stasi men

Natürlich spricht sie Englisch, wenn sie in Toronto vor den Zuschauern steht. Mit starkem deutschen Akzent. Doch Petra Epperlein spricht eigentlich nur noch Englisch. Direkt nach der Wende ging die Frau, die in der DDR aufgewachsen war, nach Amerika, in ein neues Leben. Es war ihre Reaktion auf das Leben in der DDR unter ständiger Überwachung. 25 Jahre später kommt Petra Epperlein  dann doch zurück in ihre Geburtsstadt, Karl-Marx-Stadt, wieder Chemnitz heißt, um die Wahrheit herauszufinden über den schon länger zurückliegenden Selbstmord ihres Vaters und die Gerüchte, dass das mit der Stasi zu tun hatte.

Das erzählt sie den Zuschauern, die gekommen sind, um ihren Dokumentarfilm mit dem für Deutsche seltsam klingenden Titel „Karl Marx City“ anzusehen. Weiterlesen

Der Film beginnt 2004, als sich Edward Snowden meldet, um als Patriot die USA im Kampf gegen den islamischen Terror zu unterstützen. Courtesy of TIFF.

Stone: „Ich habe keinen Deal mit Russland“

Neunmal habe er Edward Snowden in Russland besucht, sagte US-Regisseur Oliver Stone am Samstag in Toronto, als er seinen (vorwiegend in München gedrehten) neuen Film „Snowden“ vorstellte. Erst langsam haben sie Vertrauen zueinander gefasst. Den Gerüchten, er habe ein Abkommen mit Russland, trat Stone energisch entgegen: „ Ich habe keinen Deal mit  Russland, nur mit Snowdens Anwalt, der mich eingeladen hat und ein Buch geschrieben hat, das wir im Film auch verwendeten. Wir trafen uns im Anwaltsbüro oder in Hotels, an sicheren Orten. Ich konnte Herrn Snowden für Vier-Augen-Gespräche besuchen. Ich kann nicht sagen, dass Herr Snowden nicht kritisch gegenüber dem russischen Staat wäre.“ Dagegen war Snowden durchaus kritisch gegenüber Stone, er las und korrigierte das  Drehbuch.

Den Film selbst habe er wie eine Detektivgeschichte angelegt. „Die anderen Whistleblower haben nur Informationen weitergeben, das ist legal, sie gaben keine Geheimnisse preis, und konnten nicht verhaftet werden. Bevor Snowden kam, bekamen wir nur Schnipsel. Wir sahen nicht, was wirklich im Geheimen passiert ist. Es ist eine Detektivgeschichte. Für mich ist es aufregend, wie im Fall des Mordes an John F. Kennedy, da wissen die Amerikaner bis heute auch nicht alles, es ist kompliziert, und die Regierung lügt, sie lügt die ganze Zeit. Was sie tut, ist illegal, und sie wird immer besser darin.“ Stones Hoffnung ist, dass Snowden begnadet wird, vielleicht sogar von Obama. „Vielleicht kann mein Film helfen, dass der Spionage-Vorwurf fallengelassen wird, vielleicht kann auch der Dokumentarfilm helfen, will die US-Regierung ihn behandeln  wie Chelsea Manning? Ich weiß es nicht. Der Fall ist so außergewöhnlich.“

Stone gab sich in Toronto nicht so kämpferisch wie sonst, er war eher ruhig – und auch seinen im Vorfeld der Premiere lancierten Appell, die Smartphone auszuschalten, weil die NSA (National Security Agency, der amerikanische Sicherheitsdienst) mithöre, wiederholte er nicht. Sehr wohl aber seine Einschätzung, dass er Snowden für einen Helden hält. Er wirkte müde, vielleicht war ihm auch der Rummel zu viel. Am Donnerstag wird er 70 Jahre alt.

Szene aus "Birth of a Ntion", in der Mitte: Nate Parkr als Nat Turner. Foto: Courtesy of TIFF

Die schwere Geburt einer Nation

Nate Parker (36), der farbige Regisseur und Hauptdarsteller des bemerkenswerten Sklavenaufstandsfilms „The Birth of a Nation“, stand am Freitagabend mit 18 Darstellern und Crewmitgliedern auf der Bühne des Wintergarten-Kinos in Toronto vor 1000 Zuschauern und ließ sich feiern. Ein zweistündiger Debütfilm, der über weite Strecken mitreißend und in seiner Brutalität schockierend ist. Weiterlesen

Das falsche Bourne-Berlin

Der neue, vierte, echte Jason-Bourne-Film, der praktischerweise nur „Jason Bourne“ heißt und seit heute, Donnerstag,  im Kino läuft (den Irrläufer mit Jeremy Renner als Bourne vor drei Jahren habe ich schon erfolgreich aus meinem Langzeitgedächtnis gelöscht), wurde wieder in Berlin gedreht. Wie die anderen auch. Zumindest teilweise. Knapp eine Woche waren Regisseur Paul Greengrass, Hauptdarsteller Matt Damon – beide bekennende Berlin-Fans – im vergangenen Herbst zum Dreh dort. Dummerweise nicht, als ich da war, sonst hätte ich sie in mein Viertel geführt: Weiterlesen